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Der Spreewald ist das schönste Kunstwerk

"Tropfenfänger" von Sandro Porcu. Fotos: Enzian
"Tropfenfänger" von Sandro Porcu. Fotos: Enzian
Die achte Aquamediale in Lübben ist schwer zu finden. Aber das macht nichts: Denn das Spähen und Horchen nach den Kunstwerken öffnet die Sinne für den Zauber des Spreewaldes. Felix Johannes Enzian

Wenn man nicht wüsste, dass gerade die Aquamediale läuft, etwa als Tourist, würde man denken: Es gibt keine Aquamediale. Denn Hinweisschilder sind auf Lübbens Schlossinsel nirgends zu entdecken. Der Besucher erfährt weder, dass hier gerade das jährliche internationale Freiluft-Kunstfestival stattfindet, noch, wo auf dem unübersichtlichen Areal mit Fließen, Spazierwegen, Brücken, Häfen, Gastronomie und Campingplatz Kunst zu finden ist. Auch die einmal pro Woche geplante Kunstführung per Kahn ist nicht annonciert.

Glücklicherweise jedoch gibt es in der Touristinformation vor Ort hilfsbereite Mitarbeiter, die einem spontan einen Lageplan der Kunstwerke zeichnen. Mit dieser Schatzkarte in der Hand lassen sich die meisten der insgesamt zehn Arbeiten aufstöbern - dabei drängt sich die nächste Frage auf: Sind manche Werke außerhalb der knappen Führungszeit abgeschaltet? Nein, ist später aus dem Büro des Landkreises Dahme-Spreewald zu erfahren: Das soll so sein!

Der Künstler Sandro Porcu beispielsweise hat in den Spreewald die lebensgroße Puppe eines Mönches hineingestellt, der sich mit dürstend aufgesperrtem Mund unter einen Wasserhahn beugt. Aber es sprudeln keine Wasserstrahlen, allenfalls kaum erkennbare Tropfen. "Tropfenfänger" heißt diese Installation. Sie weist auf die Knappheit der lebenswichtigen Ressource Wasser hin, die im Mittelpunkt der achten Aquamediale steht. Péter Lowas hat in seiner Arbeit "EU in NON EU / The Dirty One and Half Dozen" die Nationalflaggen von 18 europäischen Nicht-EU-Ländern aufgestellt. Dazu soll ein Mix ihrer Hymnen zu hören sein, allerdings nur zur vollen Stunde.

Als unauffindbar erweist sich Carlo Crovatos "Island": zwölf in die Insel eingepflanzte Autoantennen, die sich per Solarantrieb bewegen.

Das Werk von Gregor Krampitz ist leider wirklich verschwunden: Seine Skulptur eines Wasserstoffmoleküls wurde von Vandalen beschädigt, soll aber wieder aufgestellt werden.

Eine besondere Herausforderung stellt auch die Suche nach Marek Brandts Klanginstallation "Schleusen" dar. Es soll sich um Geräusche von Schleusen sowie Unterwassertöne von Kähnen und Paddelbooten handeln. Mit gespitzten Ohren sind schließlich aus den Baumwipfeln seltsame Klänge zu vernehmen. Sie hören sich allerdings mehr nach Glockenspiel, Gong oder Triangel an. Ist das jetzt Brandts Klanginstallation oder etwas anderes? Klingt irgendwie fernöstlich und besinnlich schön.

Überhaupt stellt sich, während man im Dickicht der Fließlandschaft nach Kunst späht und horcht, ein wunderbarer Nebeneffekt ein: Auge und Ohr schärfen sich für die Naturschauspiele des Spreewalds, deren Zauber kein Künstler so zart und überwältigend hinbekommt: fein nuancierte Grüntöne, flirrendes Sonnenlicht, verwirrende Wasserspiegelungen, huschende Wesen, entrückende Klänge: Zwitschern, Glucksen, Rascheln, Rauschen.

Um diesen Zauber zu erleben, empfiehlt es sich, an stillen Wochentagen hierher zu kommen.

Kunstwerke, die einfach zu finden sind, gibt es bei der Aquamediale auch. Einige lassen sich am besten vom Wasser aus erleben. Valentia Torrado hat zwei Objekte auf der Wasseroberfläche postiert, die wie ein aufgeklapptes Notebook aussehen. Das Display ist ein roter Spiegel mit einem Prisma. Seine Reflexionen sollen einen Akzent gegen die Spreewald idylle setzen. Einige Meter weiter wartet Ria den Breejens "Wasserorgel": Wassersprühende Orgelpfeifen, erfrischend an heißen Tagen.

Die stärksten Hingucker sind die "Bildaltäre" von Justyna Koeke. Die polnische Künstlerin hat am Ufer Schaukästen aufgepflanzt. Sie erinnern an die Wegkreuze und Andachtsbilder in katholischen Gegenden, sind hier aber nicht nur mit religiösen Figuren, sondern auch mit Götzen des Konsumzeitalters ausstaffiert. Zu sehen sind unter anderem Jesus, Shiva, ein Bic Mac, ein Apple-Apfel, ein Turnschuh und eine barbusige Nixe. Beim Anblick der Letzteren lassen vorbeipaddelnde Teenagerjungs ihre Stimmbruchstimmen johlen. Die geführte Kahntour zur Aquamediale findet nach Angaben des Landkreises samstags um 17.30 Uhr statt. Am 16. und 23. Juni soll auch Kurator Christian Gracza an Bord sein.

Aquamediale 8. Schlossinsel Lübben. Bis 9. September.

"Wasserorgel" von Ria den Breejen.
"Wasserorgel" von Ria den Breejen.