Mit dem Publikumsrenner "Sommer vorm Balkon" (Regie Andreas Dresen) ist ihm nun erneut eine "neuzeitliche Milieustudie" gelungen. Kohlhaases Arbeit zählt zum erfolgreichsten Teil der ostdeutschen Defa-Filmgeschichte, und er setzte sie im wiedervereinigten Deutschland fort. Aus der Feder des Autors stammen rund 30 Spielfilme. "Interesse an den Menschen, unter denen du lebst" und "Neugier", an der er täglich arbeite, nennt der gebürtige Berliner als wichtige Antriebsmotive.
Sein "besonderer Sinn für Komik, aber auch der prüfende Blick auf Details, Zusammenhänge und Hintergründe" wird geschätzt. Mit Berlin-Filmen gab Kohlhaase in den 50er-Jahren seinen Einstand als Drehbuchautor im Babelsberger Defa-Studio. Erst 23 Jahre war er, als er zusammen mit Regisseur Gerhard Klein für "Alarm im Zirkus" den DDR-Nationalpreis erhielt. Später hielt sich die Begeisterung mancher SED-Funktionäre für seine real-sozialistische Wirklichkeit in Grenzen. "Eine Berliner Romanze" (1956) und "Berlin - Ecke Schönhauser" (1957) über die Befindlichkeiten junger Menschen in der geteilten, aber noch offenen Stadt sind die bekanntesten von insgesamt sechs Streifen, die während der Arbeitsbeziehung beider Künstler entstanden. "Berlin um die Ecke" wird 1965 wie andere Defa-Produktionen als "antisozialistisch" verboten.
Schließlich entwickelt sich mit Regisseur Konrad Wolf eine neue Film-Partnerschaft. Das große Thema heißt Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit. Die Erinnerungen von Wolf, der in der Sowjetarmee gekämpft hatte, bieten den Stoff zu "Ich war neunzehn" (1967) und "Mama, ich lebe" (1976).
Der Gegenwartsfilm "Solo Sunny", im Osten von vielen Zuschauern als Absage an mit dem DDR-Sozialismus verbundene Ideale begriffen, findet 1981 bei der Berlinale in West- Berlin größte Aufmerksamkeit.
Kohlhaase fehlt es auch nach der Wende nicht an Angeboten. Millionen Zuschauer sehen beispielsweise den Fernsehfilm "Der Hauptmann von Köpenick" (1997) mit Harald Juhnke, bei dem Kohlhaase und Regisseur Frank Beyer zusammenarbeiteten.