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| 01:07 Uhr

Der Skandal blieb aus

Erfurt.. Der Skandal blieb aus. Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel – nur für Erwachsene“ rief am Samstagabend im Erfurter Theater keine Entrüstung hervor. Vielmehr hinterließ die Inszenierung ein nachdenkliches Premierenpublikum.

Der italienische Gastregisseur Giancarlo del Monaco hat der beliebten romantische Oper die Maske entfernt und als ein Stück über Pädophile inszeniert.
"In dem Stück und dem Text liegt eine kaum ausgesprochene Wahrheit, die der Pädophilie, der Gewalt und des sexuellen Missbrauchs an Kindern", sagt der 61-Jährige. Unglaubliche Summen würden damit verdient. Dieses Tabu wolle er brechen, auch wenn er riskiere, „ein schweinischer Regisseur“ genannt zu werden."
Die Erfurter Version zeichnet diese Perversion bis an die Grenzen und schockiert - vielleicht durch ihre Überzeichnung - nicht bis in die Grundfesten. "Gott hat uns verlassen" steht auf einem zugemauerten Abbruchhaus, davor inmitten von Unrat ein heruntergekommener Wohnwagen - das Zuhause von Hänsel und Gretel. Die Mutter ist eine schlagende und heroinabhängige Hure, der Vater - wie schon im Original - ein Säufer. Der Wald im Märchen weicht einem Bordellviertel mit Glasfenstern, Hochhäusern, Mülltonnen und den bettelnden Kindern. Das Sand- und Traummännchen ist ein Kokain schnupfender Handlanger, der die Kinder mit einer Videokamera verfolgt, um sie der Hexe für deren Lust zu servieren.
Die Hexe ist der nette Mann von nebenan, der Perverse, aber auch der Kirchenmann. In dem geheimen Keller eines Geborgenheit vortäuschenden Häuschen werden die Kinder brutal vergewaltigt. Bühnenbildner Peter Sykora entwarf dafür einen Raum voll blutverschmierter Spiegel, die zeigen, dass Gewalt und Verzweiflung hier alltäglich ist. Es läuft ein Fernseher mit Nachrichten, Normalität vortäuschend. Dann verwandelt sich der Mann in einen Geistlichen, unter dessen Gewand die Lederutensilien zu sehen sind. Hänsel und Gretel erwürgen und erstechen ihren Peiniger. (dpa/mar)