Dass Hoffmanns Name auf dem Straßenschild ausgetauscht wurde, fand ehrlich gesagt, niemand schlimm, denn der Mann war nun wirklich niemand, der Erstaunliches geleistet hätte.

Erstaunlich ist jedoch, was der Politikwissenschaftler Siegfried Suckut in seinem jetzt im Aufbau-Verlag erschienenen Buch schreibt. Unter anderem berichtet er über eine sehr umfangreiche Stasiakte, die der Stasichef und Hoffmann offenbar in persönlicher Abneigung verbundene Politbüro-Kollege Mielke anfertigen ließ. Zusammengestellt wurde die von einem ganzen Bataillon Spitzel.

Erstaunlich ist auch, was die so berichteten. Nicht etwa, dass der Militärchef gegen die DDR opponiert hat, sondern das Gegenteil einer sogenannten allseits entwickelten sozialistischen Persönlichkeit war. Im Prinzip pflegte Hoffmann einen Rock'n'Roll-Lebensstil, für den Jugendliche in der DDR in den Knast gesteckt worden wären. Die Stasispitzel berichteten über Saufgelage und Ausschweifungen im Innercircle der Armeeführung. Der Militärchef der DDR ließ es ziemlich krachen: Orgien im Sonderzug, Alkoholexzesse, Twisttanzen mit bestellten Soldatinnen, das volle Programm. Ob die Sexpartys für die Frauen toll waren, ist allerdings fraglich, angesichts der Konstellation zwischen Untergebenen und Befehlsgewaltigen.

Dass die obersten DDR-Militärs Säufer waren, dürfte keinen überraschen, der in der DDR gedient hat. Viel bemerkenswerter ist, dass der Armeegeneral Hoffmann sich selbst als überbezahlte militärische Niete einschätzte. So viel Selbstkritik hat man von einem Mitglied der DDR-Führung noch nie gehört.

Dass Hoffmann ein eigenartiger Typ gewesen sein muss, belegt eine andere Episode. Ausgerechnet er, ein stalinistischer DDR-Verteidigungsminister, hörte zu Hause gern westliche Rockmusik. Auch wenn es für seine Beurteilung als Politiker keinerlei Bedeutung hat, man hätte gern gewusst, auf welche Rockmusik der alte Militaristensack stand.