Frankfurt ist ohnehin nahe der Lausitz. Vielleicht liegt es daran, dass der Polizeiruf mit Lenski und Raczek ziemlich oft ganz gut wegkommt, wenn die LR darüber schreibt. An diesem Sonntag rückte der Tatort sogar noch ein wenig näher in Richtung Süden. Pläne für ein Kraftwerk – war da nicht was? Polen hat lange an den Plänen für ein Kohlekraftwerk in Gubin und einen Tagebau zwischen ebendieser Stadt und Brody festgehalten. Jetzt kommen Tagebau und Kraftwerk offenbar nicht.

Parallelen? Rein zufällig. Bestimmt. Die braucht es aber auch gar nicht, um den Polizeiruf zwischen den Jahren zu einem äußerst sehenswerten werden zu lassen. Das liegt in erster Linie an zwei wirklich gut aufgelegten Schauspielern, die die ermittelnden Kommissare mimen. Maria Simon ist seit ihrer Zeit mit Krause schon ein Publikumsliebling, Lucas Gregorowicz hat sich in den vergangenen Monaten als Tatort-Ermittler mehr als wacker geschlagen und gleicht den Krause-Verlust prima aus. Gute Voraussetzungen also für einen gelungenen Sonntagabend-Krimi.

Ein sehr ordentlich durchdachtes Drehbuch und weitere Premium-Darsteller machen die 90 Minuten im Ersten dann so richtig rund. Max Herbrechter als trauernder Vater und Investigativ-Journalist tut genau das nicht, was eine solche Rolle in aller Regel mit sich bringt – nerven. Er ermittelt als Eric Gerling zwar mit, hält sich aber so weit im Hintergrund, dass er Lenski und Raczek die Bühne lässt, die sie in diesem Fall auch verdient haben. Maciej Stuhr spielt den zerrissenen Richter Lukasz Franczak absolut überzeugend und verzweifelt, Dagmar Leesch seine Frau ebenso zerrissen, dass sich erahnen lässt, dass sie irgendetwas zu verbergen hat. Es bleibt derweil die Liebe zu ihren Mann, die auch jenseits seines Richterseins und der Aussicht, endlich nach Warschau zu wechseln, ganz offensichtlich existiert.

„Tod einer Journalistin“ macht gut, was der Münchner Tatort wenige Tage zuvor zur besten Weihnachtssendezeit so ganz und gar gegen die Wand gefahren hat. Der Fall, in dem Lenski und Raczek ermitteln, ist zwar komplex, jedoch so erzählt, dass es keinerlei Schwierigkeiten gibt, ihm zu folgen. Für Polizisten gehen die beiden Ermittler ganz schön weit, wie es Ermittler besonders gern in Sonntagskrimis tun. Nichts davon aber wirkt aufgesetzt oder übertrieben. Nein, „Tod einer Journalistin“ war genau so spannend, wie man es zwischen den Jahren, kurz nach dem Weihnachtsfest und kurz vor dem Jahreswechsel, vertragen kann. Top.