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Der neue Walser

Den Anfang macht der Satz: "Mir geht es ein bisschen zu gut." Dann kommt: "Zu träumen genügt. Kathrin Drinkuth

" Und weiter: "Unfassbar sein, wie die Wolke, die schwebt." Wer diese Sätze spricht? Schwer zu sagen. Der Protagonist - ein Mann, soviel errät man immerhin, schreibt in Ich-Form. Manchmal spricht er aber auch vom Er, redet ein Du an oder bleibt beim Wir. Martin Walsers neuer Roman "Statt etwas oder Der letzte Rank" wirft Fragen auf, die beim Lesen nur langsam leiser werden. Besonders dick ist das Buch nicht, knapp 170 Seiten füllt es aus. Doch in sie hineinzukommen, ist nicht leicht: Die Frage nach dem Wer ist zu drängend, man will im Kopf ein Bild haben, von dem, der da spricht. Auch die anderen Figuren helfen nicht weiter: Seine Frau nennt er Elvira, wenn sie ein bestimmtes grünes und silbernes Kleid trägt. "Und immer, wenn sie Elvira heißt, heiße ich Otto." Andere Namen, die sich das Paar gibt: Memle und Müsch, Caro und Elfe, Bert und Chriss. Wer sind sie wirklich? Einen kleinen Hinweis gibt lediglich der Bucheinband: "Hier schreibt einer, der auf sein Leben zurückblickt, und begreift."

Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank. Rowohlt Verlag, 176 Seiten, 16,95 Euro