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| 07:47 Uhr

Düsseldorf
Der Moralist unter den Baumeistern

Düsseldorf. Fritz Eller hinterlässt als Landmarken den Landtag und das Dreischeibenhaus. Annette Bosetti

Bauen braucht Moral. Das war eines der Leitmotive des Tirolers Fritz Eller, der in Düsseldorf und Aachen über Jahrzehnte als Architekt stilprägend tätig war und an der RWTH Aachen mehr als 30 Jahre lehrte. Formschönheit war ihm genauso ein Anliegen. Und die Kühnheit des Entwurfs, was kühn zu jeder Zeit immer bedeuten mag.

Das Düsseldorfer Dreischeibenhaus trägt die Handschrift des in jungen Jahren nach Düsseldorf gekommenen Architekten, das Schokoladenmuseum am Rheinufer in Köln, die Ruhruni Bochum, das aus einer Schirmfabrik umgebaute Aachener Ludwig-Forum und das Landtagsgebäude von Nordrhein-Westfalen, in dem seit 1988 die Landespolitik verhandelt wird.

Am 31. Mai ist der Moralist unter den Baumeistern im Alter von 91 Jahren in seiner Wahlheimat Aachen gestorben. Seine vier Kinder, alle Architekten, führen das Werk in seinem Sinne fort. Viele von Ellers Entwürfen, sein Formenkanon und seine Ästhetik, verbanden ihn mit den Freunden und Kollegen Robert Walter und Erich Moser. Alle drei wechselten jung ins prosperierende Düsseldorf, wo sie zunächst bei Hentrich & Heuser, später Hentrich & Petschnigg, als freie Architekten einstiegen. Ab 1964 arbeiteten sie im Büro Eller, Walter, Moser zusammen. 1962 erhielt Fritz Eller einen Ruf nach Aachen, wo Karlheinz Petzinka und Christoph Ingenhoven, heute beide renommierte Architekten, zu seinen Studenten gehörten.

Eller hat für Menschen gebaut. Wenn er ein Einfamilienhaus plante, sprach er zuerst mit den künftigen Bewohnern über deren Tagesabläufe. Die Räume wurden danach ausgerichtet, wer als Erster morgens die Küche oder das Bad betritt, an welchen Orten die Mahlzeiten und andere wichtige Treffen stattfanden. Bauen braucht die Ausrichtung auf das Individuum, sagte er, der Architektur als zweite Haut des Menschen auffasste.

Beim Landtagsgebäude, das der erste parlamentarische Neubau nach dem Krieg war, ging er noch weiter. Mit dem zylindrisch geprägten offenen Ensemble am Rhein, bei dem zwei kreisförmige Flügel ineinandergreifen, stand ein Statement in der Welt, eine Behauptung: Das Wichtigste sind die Bürger. Alle Durchsichten mussten transparent bleiben, damit der Volkssouverän an den Vorgängen seiner Abgeordneten teilhaben kann.

Gebäude stiften Sinn. Davon war Eller überzeugt, der in einer Zeit, als Postmoderne und stylishe Trends die Architektur überschwemmten, bodenständig blieb. Jede Künstlichkeit lag ihm fern. Corbusier war sein Held, die Bauhausästhetik galt. Statt Granit wählte er deutsche Eiche für die Böden des Landtags, Naturstein und Baubronze sollten dem Haus ein Altern in Würde erlauben. Die sanft ansteigenden Treppen im Haus verstand er als Appell an die Politik. Die Parlamentarier sollen nicht eilen, sondern schreiten.