Da kommt das neue Buch von Tristram Hunt gerade recht. Der Shootingstar der britischen Historikerzunft bricht eine Lanze für Friedrich Engels. Er zeigt den Unternehmer als eigenständigen, Marx ebenbürtigen Denker. Als Fabrikant kannte Engels zudem den Kapitalismus aus erster Hand und ließ diese praktischen Erfahrungen in die kommunistische Doktrin mit einfließen. Die Biografie "Friedrich Engels. Der Mann, der den Marxismus erfand" zeichnet zudem das Porträt eines faszinierenden Charakters. Denn Engels war ein Mann von "grenzenloser Opferbereitschaft", aber auch ein Frauenheld, der an Fuchsjagden teilnahm und ein Champagner schlürfender Kapitalist, der diese Widersprüche mit großer Lässigkeit lebte. Friedrich Engels. Der Mann, der den Marxismus erfand. Propyläen Verlag, Berlin, 576 Seiten, 24,99 Euro,

Weiblicher Superstar des Mittelalters

Sie war der weibliche Superstar des Mittelalters. Eleonore von Aquitanien (1124-1204) hat von jeher Historiker, Romanciers und auch Filmemacher fasziniert. Denn das Leben der Königin von Frankreich und später von England war nicht nur aufregend, sondern auch erfrischend unkonventionell. Ihre erste Ehe wurde nach einer angeblichen Liaison mit ihrem Onkel geschieden, ihr zweiter Mann ließ sie nach einer Rebellion jahrelang einsperren. Noch im hohen Alter übernahm sie für ihren abwesenden Sohn Richard Löwenherz tatkräftig die Regierungsgeschäfte und sammelte für den gefangenen König das Lösegeld.

Ralph V. Turner: Eleonore von Aquitanien. Königin des Mittelalters, C.H. Beck Verlag, München, 496 Seiten, 24,95 Euro.

Berichte aus dem Bonner Männer-Biotop

"Bonn war kulturell eine Art männliche Stammesgesellschaft", erinnert sich ein Journalist an die verflossene "Bonner Republik". Wie dieses Männer-Biotop der früheren Bundeshauptstadt genau aussah, erfährt man aus Ursula Kossers spannendem Buch "Hammelsprünge". Darin erinnern sich bekannte Journalistinnen und Politikerinnen an ihren Berufsstart in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Manche Frauen wurden beneidet, viele nicht für voll genommen, fast alle argwöhnisch von den männlichen Kollegen beobachtet. Auch an sexistischen Anspielungen und Übergriffen fehlte es nicht.

Ursula Kosser: Hammelsprünge. Sex und Macht in der deutschen Politik. Dumont Verlag, Köln, 256 Seiten, 18,99 Euro.