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Der Lauf der Kunst: die Fülle im Einfachen

Doberlug-Kirchhain. Anregend, vielfältig, expressiv, überwältigend. Viel Lob gab es bei der Vernissage zur "Kunst im digitalen Zeitalter". Mit Kunstkeramik von Gustav Weiß lockt das Museum Schloss Doberlug (Elbe-Elster) jetzt in die Räume der ersten Brandenburgischen Landesausstellung. Heike Lehmann

Für die neue Sonderausstellung im Schloss Doberlug - mittlerweile die fünfte seit der Landesausstellung 2014 - sollte sich der Besucher viel Zeit nehmen. 90 Keramikbilder und 24 figürliche Darstellungen aus der Berliner Werkstatt von Gustav Weiß können bis Mitte Juli betrachtet werden. Sie sind farbintensiv, ästhetisch, verspielt und doch klar. Aber in jedem Fall fantasieanregend und kommunikativ. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt vom Museum Schloss Doberlug und der Stadt Doberlug-Kirchhain.

Gustav Weiß gilt als Pionier deutscher Keramikkunst des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Er hat sich intensiv mit Material und Techniken, aber auch mit der Rolle der Kunst in der jeweiligen Zeit beschäftigt. Hoch intellektuell ist der Anspruch an sich selbst. Persönlichkeiten von Stephen Hawking bis zu den Beatles gaben ihm Anlass zur künstlerischen Auseinandersetzung.

Gustav Weiß schlug am Samstag selbst den Bogen von den Anfängen der Kunst mit der Entwicklung des Geistes bis hin zum digitalen Zeitalter. Null und Eins begegnet man gleich mehrfach in der Doberluger Ausstellung. Aller Kunst gemeinsam sei "das unausgesprochene Allgemeine im einfach dargestellten Besonderen - die Fülle im Einfachen", so Weiß.

Die Bilder sind auf Bodenfliesen mit farbigen Glasuren gemalt. Die Plastiken hat der Künstler aus Porzellanmasse modelliert, mit farbigen Glasuren bemalt und niedrig gebrannt. Naturfarbige, unglasierte Partien sind aus französischem wildem Steinzeug grès suavage und symbolisieren die Natur.

Bis zum heutigen Tage ist der 93-Jährige erstaunlich kreativ und produktiv. Lauren Kühnel, langjährige Berliner Freundin der Familie Weiß, sagte: "Was allein in einem einzigen Bild für Strukturen vorkommen, ist unglaublich. Ich bin wieder einmal überwältigt. Die Arbeiten passen gut in diese Räume. Die Kunstwelt muss ihn unbedingt entdecken." Auch Iris Stöber vom Atelierhof Werenzhain ist überrascht "von der Vielfalt der Stile - malerisch, gestalterisch, fast bis zum Design. Von Picasso bis zum Bauhaus sehe ich viele Bezüge zum letzten Jahrhundert."

Etlichen der knapp 200 Gästen aus Brandenburg, Berlin und Sachsen ist Gustav Weiß als Autor von fundierten Fachbeiträgen und Herausgeber der Zeitschrift "Neue Keramik" ein Begriff. Bodo Broszinski, Bürgermeister von Doberlug-Kirchhain, bezeichnete es als "Glücksgriff", Gustav Weiß im Schloss Doberlug begrüßen zu können. Er hat die Kontakte zum Künstler und dessen Familie geknüpft und großen Anteil daran, dass Gustav Weiß sich mit dem Gedanken trägt, sein Gesamtwerk der Stadt als Dauerleihgabe zu übergeben.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr (ab April 10 bis 18 Uhr)