Jahrzehntelang war er tablettensüchtig und 1982 für 17 Sekunden klinisch tot. Aber der vielleicht bekannteste Grimassenschneider der Welt lässt sich nicht unterkriegen.
Seit 60 Jahren ist Lewis ein Star. Alles begann damit, dass er 1945 als 18-jähriger Alleinunterhalter durch die Nachtclubs tingelte und dabei den neun Jahre älteren Schnulzensänger Paul Dino Crocetti - Künstlername Dean Martin - kennen lernte. Schon bald schlug er vor, sie sollten gemeinsam auftreten: der gut aussehende Martin in der Rolle des seriösen Charmeurs, er als blödelnder Kindskopf, als tollpatschiger Clown.
Die Show der beiden schlug dermaßen ein, dass sie schon vier Jahre später sieben Auftritte am Tag hatten und 300 000 Dollar in der Woche verdienten. In der ersten Hälfte der 50er-Jahre waren Dean Martin und Jerry Lewis das Komiker-Duo schlechthin. "Sie waren wie Rockstars, bevor es Rockstars gab", schrieb die "New York Times". Charlie Chaplin bat Lewis um Tipps beim Schneiden seiner Filme, und der alte Stan Laurel erzählte ihm viele Abende lang von seinen sieben Frauen.
Doch mit der Zeit kränkte es Martin, dass er immer nur der Stichwortgeber für die Witze des anderen war: "Glaubst du, ich merke nicht, dass die Leute rausgehen und sich Popcorn holen, wenn ich singe?" Die Spannungen wurden so stark, dass Lewis 1956 vorschlug, getrennte Wege zu gehen - obwohl er seinen Partner geradezu vergötterte. Zum völligen Bruch kam es, als Martin ihm sagte, ihre Zusammenarbeit sei für ihn nichts anderes als ein geschäftliches Zweckbündnis: "Für mich warst du immer nur ein Dollarsymbol." Daraufhin sprachen sie 20 Jahre lang kein Wort mehr miteinander.
Doch auch solo blieb Lewis der "King of Comedy" - oder in Frankreich "Le Roi du Crazy". Er drehte Kassenknüller wie "Der Regimentstrottel", "Geisha Boy", "Hallo, Page" und "Geld spielt keine Rolle". Als Höhepunkt seiner Blödelkunst gilt heute "Der verrückte Professor" von 1963, der 33 Jahre später mit Eddie Murphy neu verfilmt wurde.
Doch nach und nach verlor das Kinopublikum den Geschmack am Kalauer-König. In den 70ern war Lewis neben Mireille Mathieu Dauergast beim "Großen Preis" - kein gutes Zeichen. 1982 erlitt er einen schweren Herzinfarkt: "In der ersten Nacht, als ich wieder zu Hause war, träumte ich, ich liege nackt im Krankenhaus auf dem Bett, Wände und Fußboden sind aus Glas, und meine Großmutter kommt mit dem Brotmesser und schneidet mir die Brust auf."
Im Rückblick ist er heute besonders stolz auf seine Nominierung für den Friedensnobelpreis 1977: Damit wurde sein Engagement für Muskelkranke gewürdigt. Für sie hat er im Laufe der Jahre die unglaubliche Summe von zwei Milliarden Dollar gesammelt.