Er stellte in der hauptstädtischen Telekom-Dependance höchstpersönlich das neue iPhone vor. Es war beeindruckend zu sehen, wie er auf der Bühne in seinem typischen Turnschuh-Jeans-Outfit die kleine teure bunte Apfelkiste, mit der man auch telefonieren kann, salbungsvoll lobpreiste.
Noch beeindruckender war freilich, wie ergriffen die Telekomchefs in der ersten Reihe dem Digital-Gott zuschauten, dem John Lennon von der Präsentationswand aus dem iPhonedisplay über die Schulter blickte. Der Jobs-Auftritt wurde von einem Rummel begleitet, der jede Popstarshow in den Schatten stellte. Erst recht die auf der Popkomm, dem Treff jener Branche, die zusammen mit einem John Lennon groß und poppig wurde und nun zu einer Art Zulieferindustrie für die Handyfirmen degeneriert. Sie stellt nicht zuletzt viele Inhalte auch für das schicke iMultimediading bereit.
Das klingt ziemlich ernüchternd und genauso sah es auch aus in den Messehallen, in denen sich zwar ein bunteres Ausstellervölkchen als sonst herumtrieb, von Pop-Appeal aber trotzdem wenig zu spüren war. An einem kleinen Stand sah man allerdings einen ehemaligen DSDS-Superstar, der sich gerade von einem Zauberer einen Geldtrick zeigen ließ. Der Zauberer war von einem CD-Presswerk gebucht worden, um Messeflaneure auf den Stand aufmerksam zu machen. Die Sache klappte ganz gut. Auch der Zauberer bekam neue potenzielle Kunden.
Es war ein wenig exemplarisch für die ganze Musikbranche: Der Livesektor boomt, während der Künstler mit der Gratiskultur im Internet zu kämpfen hat. Selbst der Zauberer. Er ist ziemlich sauer, dass ein von ihm erfundener Zaubertrick auf dem Internetportal YouTube erklärt worden ist.