Denn je häufiger die Bürger die Ämter besuchen, desto unzufriedener sind sie mit den Beamten dort. Wobei sich die jüngeren Berliner deutlich schlechter behandelt fühlen als die Älteren.

Auch der Rapper Leonard Kroppach, Künstlername Tapete, ist so jemand, der sich schlecht behandelt fühlt. Die Arbeitsvermittler im Jobcenter Mitte hatten dem 28-Jährigen mit Kürzung seiner Hartz IV-Bezüge gedroht, weil der in einem Song gereimt hatte: "Ich bedank' mich jeden Tag bei Vater Staat dafür, dass ich hier auf seine Kosten leben darf." Das brachte ihm Post von der Behörde. Er solle doch bitte mal zu dem Song Stellung beziehen und im Übrigen nachweisen, dass er für seine Auftritte wirklich kein Geld erhalte.

Der Reimeschmied, der seinen Song als Abrechnung mit der Sozialpolitik und Antwort auf "Westerwelles Unfug mit der "spätrömischen Dekadenz" versteht, bemängelte daraufhin das Unverständnis der Arbeitsvermittler für die modernen Abläufe des Reich-und-Berühmtwerdens. Sie hätten nicht verstanden, warum er seine Musik, die er auch ohne Tonstudio produzieren könne, umsonst ins Internet stelle. Das mache er, um bekannter zu werden. Wenn er das geschafft habe, könne er für seine Auftritte auch Geld verlangen.

Rapper Tapete will sich bald selbstständig machen. Je bekannter er wird, desto eher wird das sicher gehen. Die Arbeitsvermittler haben ihm dabei letztlich geholfen, denn nachdem Tapete den Brief des Jobcenters ins Internet gestellte hatte, konnte er sich vor Interviewanfragen kaum retten. Wofür er sich auch artig bedankte, mit "Merci liebes Jobcenter!"

In der nächsten Woche tritt der Rapper nun gleich zweimal in Berlin auf. Ob seine Jobcenter-Leute dann im Publikum stehen und mitklatschen, ist unwahrscheinlich. Eher fragen sie vielleicht hinterher die Veranstalter, ob Tapete Gage bekommen hat.