Sein Fazit: "Ich war immer der Jüngste - als Chefredakteur und Hörfunkdirektor. Plötzlich bin ich der dienstälteste Intendant!" Reiter ist seit 1991 Chef der Dreiländeranstalt. Bei einem Besuch der Sächsischen Staatskanzlei wurde der damalige Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks überraschend gefragt, ob er Intendant des neuen Senders werden wolle. Bedingung sei aber, dass er sich innerhalb von zehn Minuten entscheide. "Das fiel mir nicht schwer", erzählt er. Am Anfang wurde der MDR als "Volksmusiksender" verspottet. Inzwischen macht er ein äußerst erfolgreiches Drittes Fernsehprogramm und steuert unter anderem prägnante "Tatort"-Krimis mit Kommissar Ehrlicher (Peter Sodann) und dem neuen Ermittlerduo Simone Thomalla und Martin Wuttke zum ARD-Programm bei. Auch der "Polizeiruf 110" mit Jaecki Schwarz hat hohe Einschaltquoten. Beim Aufbau des MDR aus dem Nichts hatte Reiter eine Riesen-Portion Glück. Als er merkte, dass er doppelt so viel Geld brauchte, wie zur Verfügung stand, kam er auf eine kreative Methode der Mittelbeschaffung: Der MDR investierte kräftig in Moskauer Stadt- und argentinische Staatsanleihen. Dadurch wurde die Anschubfinanzierung von 560 Millionen Mark mehr als verdoppelt. Reiter räumt ein, dass das am Rande der Legalität war. "Aber es ging gut, und der MDR musste keine Schulden aufnehmen." Schwierig waren die Stasi-Überprüfungen, bei denen laut Reiter auch Mitarbeiter unverdient entlassen wurden. "Es gab üble Typen, mit denen man nichts mehr zu tun haben wollte, aber auch Leute, die durch menschliche Verstrickungen hineingerutscht waren. Das tat einem natürlich leid, aber der Hof war wichtiger als die Bauern." Reiter wurde in Lindau am Bodensee geboren und hatte während seines Germanistik-Studiums die Aufnahme zur Pilotenausbildung bei der Lufthansa bestanden. Doch kurz darauf kam er 1966 mit dem Auto auf Glatteis ins Rutschen und wurde aus dem Wagen geschleudert. "An den Unfall selbst kann ich mich nicht erinnern, aber angeschnallt war man damals ja nicht." Während Reiter seither auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hatte sein Mitfahrer nur ein paar blaue Flecken. Er stürzte damals als 22-Jähriger in ein Tief und ging ohne große Begeisterung zum Bayerischen Rundfunk. Dort blühte er auf. Reiter arbeitete in der Wissenschaftsredaktion. Danach leitete er den Familienfunk und wurde Hörfunk-Chefredakteur. Bei vielen galt er als Statthalter der CSU, Reiter betont aber: "Ich bin in keiner Partei und schätze meine Unabhängigkeit." Als seine "beste Tat" nennt er die Einführung des bundesweit ersten Nachrichtensenders "B5 aktuell" Ende der 80er-Jahre. "Das habe ich bei France Info abgeschaut", berichtet er. Als Reiter einmal im Auto lustige Verkehrsnachrichten auf Bayern 3 hörte, erkundigte er sich nach dem Sprecher. Es war der damalige Student Thomas Gottschalk, der daraufhin mehr als nur Staumeldungen vorlesen durfte.