„Hier dürfen auch mal die Guten siegen.“
 Markus Heitz


Die Reihe der Fragen war nach der Lesung so lang, dass sie wahrscheinlich bis zu den Zwergen gereicht hätten, die in der Rangordnung der Völker in Tolkiens Ring-Epos ganz am Ende stehen. Dass sie so eine untergeordnete Rolle „als Pausenclown und Stichwortgeber“ zu spielen hatten, missfiel dem Autor aus Zweibrücken. Von einem Verlag nach den Erfolgen der Fantasy in anderen Ländern (zum Beispiel „Die Orks“ ) darauf angesprochen, ob er sich nicht in einer deutschen Version eines klassischen Fantasyvolkes annehmen wolle, entschied er sich nicht für die sympathischen, schönen, blonden Elben, sondern für die diskriminierten Zwerge. Der Erfolg gab ihm Recht. Keiner kann heute mehr daran vorbei: Markus Heitz ist der Herr der Zwerge.
Auch bei dieser Lesung. Was die kleinen Tausendsassas und Schwerenöter tun und lassen konnten, das bestimmte er. Er hatte sich fünf Abschnitte aus seinem Buch „Die Rache der Zwerge“ herausgesucht und spulte dieses Programm souverän ab. Eine jede Szene las er bis zu dem Punkt, an dem er sagte: „Aus dramaturgischen Gründen breche ich an dieser Stelle ab“ . Dann schickte er die Zwerge, die als Spannungsmoment im Raum des Hauses des Buches standen und schwebten, in sein Buch zurück. Nun wandte er sich der nächsten Szene zu. . . bis diese „aus dramaturgischen Gründen. . .“ , aber das wissen wir ja. Er erzeugte Spannung, die sich nicht an diesem Abend lösen, sondern die zum Kauf des Buches animieren sollte.
Von einem Zwerg hat dieser Mann, der sich des Schicksals der kleinen Wesen aus dem Märchen- und dem Fantasy-Bereich angenommen hat, selbst so gar nichts an sich. 1,89 Meter groß und, wie er gesteht, übergewichtig, würde er den „Kleinen“ , wenn er im anderen Lager stünde, ganz schön zusetzen. So aber ist er als Herr der Zwerge auch Herr der Lage. Oder Herr der Hintertürchen. Die lässt er sich nämlich immer offen, wenn er ein Buch beendet. Durch solche Hintertürchen kann er schnell in das nächste Buch schlüpfen, wenn seine Fans das nur genug wollen. Wer gehört oder gelesen hat, dass die Sache mit dem Band „Die Rache der Zwerge“ ein Ende hat, dem sagen wir: „Vergesst es!“ Es wird einen vierten Band geben. Markus Heitz: „Nicht in diesem und nicht im nächsten Jahr, aber dann bald.“
Erst mal beschäftige ihn jetzt ein Fantasy-Thema, das es nach seinen Recherchen so noch nicht gegeben habe. Mehr dazu ist von ihm nicht rauszukriegen. Er schreibt also zunächst ein anderes Buch. Was für eine Produktivität! Man könnte meinen, er führe eine Schreibfabrik wie Alexandre Dumas, der an seinem Lebensende bekannte, keines „seiner“ Bücher vollständig gelesen zu haben.
Das ist aber bei Heitz nicht so. Er ist ein fleißiger Arbeiter, der von neun bis dreizehn oder vierzehn Uhr und nach einer Mittagspause bis 17 oder 18 Uhr am PC sitzt. Da arbeitet er sein Programm ab. Am Anfang einer Serie schreibt er den Plot (Inhalt) in Stichworten nieder. Das ist das Gerüst, das sich allerdings im Prozess des Schreibens mitunter auch ändert.
Er weiß, dass die 15- bis 25-Jährigen seine Zielgruppe sind. Unter den Besuchern seiner Homepage verzeichnete Markus Heitz aber auch einen Neunjährigen sowie Vierziger und Fünfziger. Gute Fantasy könne, meint er, vielen jungen Leuten den Zugang auch zu anderer Literatur vermitteln. Für ihn ist es das Größte, wenn er erfährt, dass Fans seine Geschichten „verlängern“ , wenn sie sie weiter schreiben. Fan-Fiction nennt er das.
„Wichtig ist, dass sie selbst anfangen zu schreiben. Die Play-Station in die Ecke stellen und die eigene Fantasie einschalten - das halte ich für ein gutes Rezept.“
Wer mit seiner Fantasie Fantasy erzeugt, lebe nicht fern jeder Realität. Er setze sich mit der Gegenwart auseinander. In der Fantasy werden Konflikte ausgetragen, die seit Menschengedenken das Zusammenleben erschweren. Für bemerkenswert an dieser Literaturgattung hält Markus Heitz: „Hier dürfen auch mal die Guten siegen.“
„Aus dramaturgischen Gründen“ müssen jetzt auch wir das Ende finden. Die Begeisterung war groß. Einige junge Leute ließen sich alle drei Zwergen-Bände signieren oder sogar mit dem Autor fotografieren.

Biografisches Preisgekrönter Autor
 Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte, arbeitete als Journalist bei der „Saarbrücker Zeitung“ und lebt heute als freier Autor in Zweibrücken. Sein Aufsehen erregender Erstling „Schatten über Ulldart“ , der das sechsbändige Epos „Ulldart - Die dunkle Zeit“ eröffnete, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis 2003 als „Bestes Roman-Debüt National“ ausgezeichnet. Seit dem sensationellen Erfolg seiner Serie „Zwerge“ , „Der Krieg der Zwerge“ (Deutscher Phantastik Preis 2005 als „Bester deutschsprachiger Roman“ ) und „Die Rache der Zwerge“ gehört Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren.