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| 17:34 Uhr

Kultur
Der Herr der Masken

Wolfgang Utzt mit seinem Kinderbuch „Das Gürteltier kam nachts um vier“.
Wolfgang Utzt mit seinem Kinderbuch „Das Gürteltier kam nachts um vier“. FOTO: MOZ / MOZ/Josephin Hartwig
Neuhardenberg/Senftenberg. Der gebürtige Senftenberger Wolfgang Utzt wird für sein Lebenswerk geehrt. Von Stephanie Lubasch

Mehr als 40 Jahre lang hat der gebürtige Senftenberger Wolfgang Utzt als Maskenbildner am Deutschen Theater in Berlin gearbeitet. Und etwas ganz Wunderbares geschafft: aus einer Kunst, die flüchtig ist, etwas Bleibendes zu extrahieren. Auch wenn er, wie er sagt, es damals nicht geahnt habe: Viele seiner Masken wirken auf magische Weise über den Moment der Inszenierung hinaus, erinnern an große Bühnenkunst ebenso wie an jene, die sie gestaltet haben, Regisseure, Schauspieler, Bühnenbildner. Sie sind ein Stück Theatergeschichte. Ein Lebenswerk, für das Utzt am Sonntag in Neuhardenberg mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke (SPD), ausgezeichnet wurde.

Überrascht sei er gewesen, sagt der in Sydowswiese (Märkisch-Oderland) lebende Künstler über die Ehrung – dieser Preis sei etwas „ganz Außergewöhnliches“. Wobei ihn am meisten freue, „dass da jemand noch mal genau hingeguckt und in meinen Arbeiten offenbar Entdeckungen gemacht hat“.

Bereits vor 15 Jahren hat Utzt seinen Beruf an den Nagel hängen müssen, aus Krankheitsgründen. Seit 1960 am DT, war er dort seit 1979 als Chef seiner Abteilung tätig gewesen. Die besonderen Talente jedes seiner 14 Kollegen zu fördern und am richtigen Platz einzusetzen, auch das habe dazu beigetragen, auf einem qualitativ hohen Niveau arbeiten zu können. „Theater“, sagt Utzt, „ist eine kollektive Sache. Ich bin ja kein Gott, der alles kann.“ „Die Regisseure, die Bühnenbildner, das waren Giganten für mich“, erinnert sich Utzt. Die ihn und seine Kreativität wieder und wieder anstachelten: „Man muss die Wünsche des Regisseurs umsetzen, auch wenn das heißt, aus dem Kopf von Simone von Zglinicki zwei Hörner wachsen zu lassen.“

Utzt hat mit allen Großen des Hauses gearbeitet, Alexander Lang, Thomas Langhoff, Heiner Müller, Hans Neuenfels, Jürgen Gosch, Robert Wilson. Er schuf Masken für Shakespeare-Inszenierungen ebenso wie für Stücke von Bertolt Brecht, Peter Hacks und Tennessee Williams.

Eine Fotoserie erinnert heute daran, zeigt auf beeindruckende Weise noch einmal einen anderen, den Hauptteil von Utzts Beruf. Schminken, Perücken machen. Auch wenn es am Ende die Masken sind, die bleiben und unter anderem von der Stiftung Stadtmuseum Berlin für die Ewigkeit bewahrt werden: Nicht nur sie haben ihn berühmt gemacht.

Aber sie sind es, für die er heute weltweit bewundert wird. Utzt hat seine unheimlichen Monsterköpfe, seine wilden Tiere, denen aus dem Maul Hände und auf dem Kopf bizarre Hörner wachsen, seine mal schlichten, mal überzeichneten weißen, braunen, schwarzen oder mit Gold belegten „zweiten“ Gesichter, seine mit Haartürmen besetzten Furien nicht nur in Deutschland gezeigt, auch in Finnland, den USA und in Japan.Er, der als Maskenbildner regelmäßig Figurinen gemacht hat, zeichnet wieder. Vor zwei Jahren ist sein Bilderbuch „Das Gürteltier kam nachts um vier“ erschienen, ein „Buch für Erwachsene und Kinder und umgekehrt“, wie er sagt. 40 leere, bereits gebundene Seiten hatten ihn herausgefordert, etwas für seine Enkeltochter aufs Papier zu bringen, Absurdes, Skurriles und Poesievolles aus der Tierwelt.

Stephanie Lubasch ist Mitarbeiterin der „Märkischen Oderzeitung“.

Geschöpfe aus der Werkstatt des Maskenbildners.
Geschöpfe aus der Werkstatt des Maskenbildners. FOTO: Friedhelm Hoffmann