ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:13 Uhr

"Der größte Grad an Verostung"

"Sexy Forever": Olaf Schubert.
"Sexy Forever": Olaf Schubert. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Der Dresdner Comedian Olaf Schubert hat sich durch seine vielen Fernsehauftritte vom regionalen zum allseits bekannten Künstler entwickelt. Trotzdem oder gerade deshalb hat er sich wieder den "Kuckuck" im Forster Ortsteil Groß Jamno ausgesucht, um für sein neues Programm "Sexy Forever" zu proben – mit einer Vorpremiere am Dienstagabend. Steffi Ludwig

Ärmelloser Rautenpullunder, abgewetzte Jeans, wirrer Haarschopf - so ist Olaf Schubert bekannt, und so erscheint er auch im "Kuckuck". Hier, im kleinen Gasthaus im Groß Jamnoer Urwald, das längst über die Ortsgrenzen hinweg für seine Kabarettbühne berühmt ist. Hier werden die Gäste noch persönlich von der Chefin zu den Plätzen an den Tischchen geführt - ist doch der kleine Auftrittsraum bis zum letzten Millimeter mit allen verfügbaren Stühlen ausgefüllt. "Wer einmal drin ist, kommt nicht mehr raus", schmunzelt Chefin Birgit Hendrischke. Und doch bekommt jeder irgendwie sein bestelltes Getränk.

Diese Atmosphäre liebt auch Olaf Schubert. "Wir haben seit über zehn Jahren eine freundschaftliche Verbindung zu Olaf, damals war er ja noch ein regionaler Künstler", so Birgit Hendrischke. "Als er uns jetzt wieder gefragt hat, ob wir eine seiner Probebühnen für sein neues Programm sein können, haben wir uns sehr gefreut." Bereits vor reichlich drei Jahren hatte der Dresdner hier die Vorpremiere für sein damaliges Programm "So!" gefeiert. Nun also "Sexy Forever".

Doch zuerst muss sich Olaf Schubert, der mit seinen Freunden Herrn Stephan und Jochen Barkas nach Forst gekommen ist, ein bisschen am Auftrittsort abarbeiten. "Wir sind überrascht, dass hier so viele leben", sinniert er mit Blick auf den vollbesetzten Auftrittsraum. Sie seien auf der Hinfahrt durch viel Wald gefahren. Dresden sei ja schon östlich, Cottbus noch östlicher, und Forst sei quasi "der größte Grad an Verostung". "Gefühlt ist das schon Großraum Tokio", ruft er dem prustenden Publikum entgegen. Aber auch Thüringen bekommt sein Fett weg: Das bestehe zu 80 Prozent aus Wald, der Rest seien Bäume - dagegen sei Forst schon fast urban. Olaf Schubert weiß, wie er die Leute kriegen kann. Er, der Bundes-Olaf und Zentral-Schubert, kreiert Wortungetüme und im nächsten Moment wieder sächsische Umgangssprache wie: "Da werdsch richtsch fuchtig!"

Seit rund zwei Jahren flimmert er mit der Fernsehshow "Olaf verbessert die Welt!" über die Mattscheibe, hat Sendungen wie die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises und die "Goldene Henne" moderiert und viele Preise wie den Bambi abgeräumt.

Mit seiner neuen Show "Sexy Forever" wolle er auch weiterhin der Mahner und Erinnerer bleiben, wolle sich durch den englischen Titel aber zunehmend auf dem amerikanischen Markt etablieren. Denn schließlich habe er mit seiner Freundin Carola Schluss gemacht und seine neue Partnerin Pamela sei Angloamerikanerin. Deshalb hat er auch ein englisches Lied eingebaut. Manches klingt schräg, manchmal kann er sich selbst ein Lachen nicht verkneifen - so ist das, wenn man sein Programm einübt. Doch bei Olaf Schubert weiß man nie so recht, ob es vielleicht sogar Absicht ist. Das Publikum johlt jedenfalls begeistert und muss auch manchmal erstaunt stocken, wenn sich eine Pointe nach einigen Sekunden recht bitter und sarkastisch entfaltet.

Denn Olaf Schubert macht auch vor aktuellen Themen wie Pegida nicht halt. Dresden habe eine Gravitationskraft für braunen Feinstaub entwickelt, sinniert er. Und die Flüchtlinge - natürlich wollten die nach Deutschland, denn wer wolle schon zu den Tschechen, wo es schon früh Bockbier und Knödel gebe. Er ruft zu "Tolle-Ranz" auf und flicht seine Flachsraketen ein wie: Er habe vorhin keinen Forster, sondern eine Försterin getroffen.

Und so ermuntert er sein Publikum nochmal, das "Geäug äsen zu lassen" und bedankt sich für die "warme Empfängnis", bevor er alle in die klirrend kalte Nacht mit glitzerndem Schnee im Urwald entlässt.

Am 15. März kommt Olaf Schubert zu einer weiteren Vorpremiere nach Groß Jamno in den "Kuckuck", auch die ist schon ausverkauft. Das neue Programm startet laut Managerin May-Brit Stabel am 6. April in Gotha. Am 19. August ist er damit auf der Freilichtbühne Spremberg und am 23. November in der Cottbuser Stadthalle.