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Den Sinn erfinden

Feldmarschall Paul von Hindenburg war ein ruhebedürftiger Befehlsunterzeichner. China ist heute in einer vergleichbaren Situation wie das Deutsche Reich 1914, und die Europäische Union ist die Chance, eine Entwicklung wie im Sommer 1914 zu verhindern. Oliver Pietschmann

In seiner Gesamtdarstellung zum Ersten Weltkrieg beschreibt Herfried Münkler in seinem Buch "Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918" nicht nur ausführlich die Geschehnisse von der Sommerkrise 1914 bis zur Niederlage der Mittelmächte 1918. Er räumt auch mit Mythen auf und skizziert Auswirkungen und historische Parallelen zur Situation vor 100 Jahren. Der Politikwissenschaftler Münkler (62) beschreibt die unterschiedliche Aufarbeitung der "Urkatastrophe" in den einzelnen Ländern, die Paradoxien des Krieges, die sozialen Umbrüche, die Leiden der Menschen und die Aktualität bis in die Gegenwart hinein. Auf den 928 Seiten nimmt allerdings die militärhistorische Darstellung einen sehr breiten Raum ein. Ein Grundproblem der Deutschen war laut Münkler, dass sie den Sinn des Krieges für sich erst einmal erfinden mussten.

Herfried Münkler, Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918, Rowohlt, Berlin, 928 S., 29,95 Euro.