Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, die Stiftung zu gründen? Wem soll sie zugutekommen?
Selbst in seinen letzten Tagen hat mein Mann noch viel amerikanische Musik gehört, etwa von Aaron Copland. Schon da ist mir der Gedanke für die Stiftung gekommen. Mit der Vergabe des C. F. Holtman-Stipendiums möchte ich junge, begabte Musiker unterstützen, den Reichtum ihrer Begabung zu nutzen und erfolgreich zu sein. Zugleich möchte ich an meinen Mann als einen außergewöhnlichen Menschen erinnern.

Der Stiftungszweck bezieht sich ausschließlich auf junge Musiker?
Ja, und mit der Maßgabe, dass in Deutschland ein Musikstück der amerikanischen Klassik gespielt wird.

Die Stiftung schlägt ja zugleich eine Brücke in die USA, das Stipendium geht jeweils an einen deutschen und einen amerikanischen Künstler. Woher kommt die Affinität zu den USA?
Mein Mann und ich haben besonders gern Reisen in den englischsprachigen Raum unternommen, besonders in die USA. Daran erinnere ich mich sehr gern. Zudem war er ein großer Kenner und Liebhaber der amerikanischen klassischen Musik.

Wer wählt die Stipendiaten aus?
In der Jury sind der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus, Evan Christ, der Dirigent der Las Vegas Philhamonic, Donato Cabrera, und ich.

Wie finden Sie die jungen Musiker?
Wir haben das ja in diesem Jahr zum ersten Mal gemacht. In diesem Fall hat uns die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin Vorschläge unterbreitet. Der amerikanische Stipendiat Alexi Kenney hat in seiner Heimat bereits bemerkenswerte Konzerte gegeben, wir wollten ihn auch in Deutschland bekannt machen.

Hören Sie sich die Musiker vorher an?
Tobias Feldmann war für Evan Christ kein Unbekannter, er hatte in Cottbus bereits Konzerte mit dem Philharmonischen Orchester gegeben. Ich habe ihn auch gehört. Bei Alexi Kenney haben wir auf Donato Cabrera vertraut.

Was umfasst das Stipendium?
Ein Preisgeld und Reisekosten.

Tobias Feldmann hat bereits in Las Vegas gespielt, Sie haben ihn begleitet - wie haben Sie das Konzert erlebt?
Es war fantastisch. Wir hatten 1800 Zuhörer in der Reynolds Hall des Smith Centers. Man konnte richtig beobachten, wie die Menschen immer gebannter dem Spiel lauschten. Tobias Feldmann hat ganz wunderbar musiziert und dafür viel Beifall geerntet.

Was bewundern Sie an Alexi Kenney?
Wie er sich als junger Künstler, er ist ja erst 22 Jahre alt, auch intensiv mit der europäischen Musik auseinandersetzt. Ansonsten bin ich sehr gespannt auf ihn. Wie sehr er in seiner Heimat geschätzt wird, kann man daran ermessen, dass ihm das New England Conservatory die legendäre "Joachim-Ma"-Stradivari von 1714 zur Verfügung stellt. Die wird hier bei den Konzerten zu hören sein.

Wissen Sie schon, wie es mit der Stiftung weiter geht?
Donato Cabrera kommt zum Konzert und ist danach die ganze nächste Woche hier, da ist Gelegenheit, auch über die Stiftung zu sprechen. Ich habe mir einen bestimmten Betrag vorgenommen, den ich einsetzen möchte, damit kann es noch etwas weitergehen.

In dieser Stiftung lebt Ihr Mann mit seinem Engagement für die Kunst, als Vorstand der Ostdeutschen Sparkassenstiftung setzte er sich unter anderem für die vielen Musiksommer in Ostdeutschland ein, fort. Wie würden Sie ihn charakterisieren?
Er war ein so außerordentlicher Mensch, sein Charisma, seine überwältigende Energie und Schaffenskraft, seine hohe Intelligenz, seine Empathie, sein Mut waren bewundernswert. Und das alles war gepaart mit Lebensfreude, Temperament und Witz, mit viel Weisheit und Güte. Mit der gleichen Leidenschaft wie für seinen Beruf hat er sich für Kunst und Kultur, das Haus, sein Zuhause und unseren Hund interessiert.

Mit Dorothee Hennings-Holtmann sprach Renate Marschall

Zum Thema:
Im Staatstheater Cottbus dirigiert Evan Christ beim 3. Philharmonischen Konzert am Freitag, 20 Uhr und am Sonntag, 19 Uhr, jeweils im Großen Haus, ein "amerikanisches Programm" mit Werken von Samuel Barber und Sergej Rachmaninow. Barber ist in Amerika geboren, den Russen Sergej Rachmaninow betrachten die Amerikanern als "einen der ihren". Beide waren im Heimatland des jeweils anderen außerordentlich geschätzt.Die C.F. Holtmann-Stiftung, errichtet zum Andenken an den Kunstliebhaber und Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes Claus Friedrich Holtmann, schlägt dem Programm entsprechend eine Brücke zwischen den Kontinenten. Mit einem Stipendium ermöglicht sie dem erst 22-jährigen Amerikaner Alexi Kenney (Foto l.) den Auftritt in Cottbus und dem deutschen Geiger Tobias Feldmann (Foto r.) ein Konzert in Las Vegas, das bereits stattgefunden hat. Wie sehr Kenneys Talent geschätzt wird, zeigt die Tatsache, dass das New England Conservatory ihm die legendäre "Joachim-Ma” Stradivari von 1714 zur Verfügung stellt. Karten im Besucherservice, Ticket-Telefon 0355/ 78242424 sowie www.staatstheater-cottbus.de