Es gab kein Vorbild und keinen Plan. Keine Zeichnung und niemanden, den man hätte fragen können. Als sich Landschaftsplaner, Baufirmen und die Pückler-Experten der Stiftung Schloss und Park Branitz daran machten, die gewaltige Seepyramide zu restaurieren, mussten sie sich allein auf ihr Können, ihre Erfahrung und eine gute Portion Glück verlassen.

Wie diffizil die Aufgabe war, zeigt eindrucksvoll der jüngste Film des Cottbuser Dokumentarfilmers Donald Saischowa. Von der ersten Planungsphase bis hin zur abschließenden Bepflanzung des Tumulus begleitete er alle Schritte der Restaurierungsarbeiten. "Die Stiftung war an mich herangetreten, und hat mich darum gebeten, das Projekt filmisch zu begleiten", erzählt Saischowa. Schon immer habe ihn die Person des Fürsten Pückler interessiert, nun habe er eine gute Gelegenheit gesehen, sich dieser schillernden Figur zu nähern. "Natürlich hatte ich die üblichen Klischees über ihn im Kopf."

Dagegen hilft Lesen, dachte sich der Filmemacher, griff zum Reiseberichtes "Aus Mehemed Alis Reich" und dem Werk "Pückler als Reiseschriftsteller" von Peter Milan Jahn. "Mir wurde klar, dass ich die Geschichte der Seepyramide nicht denken oder zeigen kann ohne auf die Nilreise des Fürsten einzugehen", erzählt Saischowa.

Sein Film verbindet beides: Die Restaurierungsarbeiten an der Branitzer Pyramide werden eng verschränkt mit Impressionen von Pücklers Nilreise. Bilder von den Pyramiden von Gizeh und Sakkara, vom Säulenwald des Karnak Tempels und dem Ramesseum bei Luxor entfalten schnell einen ganz eigenen Zauber, zumal die Stimme des Schauspielers Thomas Harms dazu klug gewählte Originaltexte von Pückler liest.

Gleich darauf wandert der Blick zurück nach Branitz, auf die steilen Abhänge der Pyramide, die so unendlich viel kleiner ist als die ägyptischen Vorbilder - und die dennoch höchste Anforderungen an die mit der Restaurierung betrauten Firmen stellte. Denn wer weiß schon, wie sich aus einem erodierten, verunkrauteten Sandhaufen wieder eine akkurat ausgezirkelte Pyramide mit klaren Konturen herausschälen lässt? Wie groß dürfen Abweichungen zum historischen Vorbild sein? Zehn Zentimeter? 20? Oder gar 30? Wie lassen sich Tonnen von Erdreich bewegen, wenn sich der Einsatz schwerer Technik verbietet? Woran sollen sich die Gärtner orientieren, wenn doch niemand genau weiß, wie Pückler seinen Tumulus mit den unterschiedlichen Weinsorten bepflanzen ließ?

Eine nur schwer zu bewältigende Herausforderung, das zeigt der Film mehr als deutlich. Saischowa ist es gelungen, den Zuschauer tatsächlich mitzunehmen auf die steilen Hänge, die in der Gluthitze des Sommers mühsam bearbeitet werden mussten. Respekt vor allen, die dort Tag für Tag Sand und Steine geschleppt haben, immer wieder den Berg hinauf in kleinen Schritten.

Wer sieht, wie mühevoll diese Arbeit ist, der fragt sich um so nachdenklicher, wie tausendfach größere Bauwerke im alten Ägypten konstruiert werden konnten. Und vor allem: warum der Herrscher in Gizeh wie in Branitz ausgerechnet diese Monumente zu ihrer letzten Ruhestätte gewählt haben. Entsprangen sie dem Wunsch nach Ewigkeit? Nach sichtbaren Zeichen ihrer irdischen Existenz?

Fragen, für die Saischowa glaubhafte Antworten anbietet - und zugleich immer wieder Bilder von bestechender Schönheit. Die Landschaftsarchitekten Hagen Engelmann und Stefan Palm erläutern die Aufgabe, eine denkmalgerechte Pyramidenrestaurierung zu bewerkstelligen, die ausführenden Arbeiter erzählen von der Mühsal der praktischen Ausführung.

Und der Filmemacher? Belässt es auch hier nicht bei der bloßen Abbildung von Gegenwärtigem und Vergangenem. Er macht sich seine ganz eigenen Gedanken zu Machbuba, jenem Sklavenmädchen, das Pückler während seiner Nilreise kaufte. Machbuba starb fern ihrer Heimat, genau vor 175 Jahren. Eine Geschichte, die sicher ihren eigenen Film wert wäre.

Zum Thema:
Der Film: "Der Tumulus. Grabpyramide des Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Die Reise eines preußischen Aristokraten zur Quelle der Ewigkeit" wird am 30. Juli in Branitz vorgestellt. Die DVD ist voraussichtlich ab Ende August in den Museumsshops der Stiftung erhältlich.