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| 13:12 Uhr

Neu im Kino
Dichtung und Kartoffelschalenauflauf

Mal kosten? Lily James (r.) ist „Deine Juliet“.  :
Mal kosten? Lily James (r.) ist „Deine Juliet“. : FOTO: dpa / .
Hamburg. „Deine Juliet“: Charmantes Drama über den Krieg, die Liebe und Bücher mit „Mamma Mia!“-Heldin Lily James. Von Antje Wessel

Im Englischen trägt „Deine Juliet“ den Originaltitel „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“, auf Deutsch: „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“. Was sich amüsant anhört, besitzt einen dramatischen Hintergrund: Als sich die Gründer des gleichnamigen Buchclubs zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges plötzlich bei einer nächtlichen Überprüfung durch Nationalsozialisten wiederfinden, liefern die mitgeführten Kartoffelschalen und Bücher die spontane Inspiration für ebenjenen Literaturverein und damit die Begründung, weshalb sich die Bewohner der kleinen Kanalinsel Guernsey mitten in der Nacht außerhalb ihrer Häuser herumtreiben.

Bereits diese Erklärung steht stellvertretend für den gesamten Tonfall des Films, der auf dem gleichnamigen Roman der kurz vor der Fertigstellung gestorbenen Autorin Mary Ann Shaffer basiert. Der für so unterschiedliche Kinowerke wie den Blockbuster „Prince of Persia“ oder das Kostümdrama „Große Erwartungen“ verantwortliche Regisseur Mike Newell kombiniert in „Deine Juliet“ auf sehr geschmackvolle Weise zu gleichen Anteilen Dramatisches, Komisches und Amouröses.

Im London kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gehört Juliet Ashton (Lily James) zu den ganz großen Nachwuchshoffnungen am Literaturhimmel. Nicht nur ihr bester Freund und Verleger Sidney (Matthew Goode) sagt ihr eine glorreiche Zukunft als Schriftstellerin voraus. Während sie von Lesung zu Lesung reist und von dem Trubel um ihre Person langsam überfordert wird, erhält sie eines Tages einen Brief von der weit abgelegenen Kanalinsel Guernsey. Der literaturbegeisterte Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman) befindet sich auf der Suche nach einem Buch und erhofft sich dabei Unterstützung von der von ihm hochgeschätzten Autorin.

Juliet kommt diese Anfrage gerade recht und nutzt sie für eine Auszeit. Sie bricht zu dem ihr unbekannten Briefschreiber nach Guernsey auf und macht dort Bekanntschaft mit dem Literaturverein „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“. Der Buchclub, dem auch Dawsey angehört, entstand zu Kriegszeiten und half seinen Mitgliedern über viele schweren Stunden hinweg, als Guernsey sich unter deutscher Besatzung befand. Juliet glaubt, endlich das Thema für ihr neues Buch gefunden zu haben. Doch die Guernseyer sind von dieser Idee gar nicht begeistert...

Auf der einen Seite steckt „Deine Juliet“ voller hochdramatischer Momente. Wenn etwa ein Vater aufbricht, um seiner im Garten spielenden Tochter vom Tod ihrer Mutter zu erzählen, ist der Kloß im Hals vorprogrammiert. Gleichzeitig bringen einen die unbeholfenen Frauengespräche zwischen Juliet und der vorlauten, aber einsamen Isola auch gehörig zum Lachen, während sich zwischen diesen konträren Momenten zudem eine zaghafte und in ihrer Zurückhaltung alles andere als klischeehafte Romanze zwischen Juliet und Dawsey entwickelt.

Doch trotz vorwiegend kleiner Gesten steckt „Deine Juliet“ voller Leidenschaft. Die Faszination der allesamt so lebensecht gezeichneten Figuren mitsamt ihren bisweilen traurigen Hintergrundgeschichten sind das Herzstück des Films und betonen immer wieder den Zusammenhalt unter den Inselbewohnern während des Zweiten Weltkriegs. Aufdringliche Musik und andere audiovisuelle Spielereien gibt es nicht; sie würden von der zurückhaltend erzählten Geschichte ohnehin nur ablenken.

„Cinderella“- und „Mamma Mia 2“-Star Lily James trägt „Deine Juliet“ in der titelgebenden Hauptrolle mühelos auf ihren schmalen Schultern. Mit überragender Natürlichkeit gelingt es ihr, die verschiedenen Facetten ihrer Figur glaubhaft und gekonnt unter einen Hut zu bringen, ohne dabei ins Klischee der hilflosen Alleinreisenden abzudriften. Michiel Huisman („Für immer Adaline“) spielt ebenfalls stark auf, muss sich aber schon ein wenig mehr Mühe geben, gegen den Stereotyp des zurückhaltenden Einsiedlers anzukämpfen. Ausgerechnet das Finale von „Deine Juliet“ wird ihm zum Verhängnis - in Anbetracht des ansonsten so lebensechten und sympathischen Films  geht „Deine Juliet“ trotz aller Begeisterung einen Tick zu klischeehaft aus.

„Deine Juliet“: Großbritannien/USA 2018, 124 Min., FSK ab 6, mit Lily James, Matthew Goode, Jessica Brown Findlay, Michiel Huisman.