Die 81 Jahre alte Schauspielerin Jutta Wachowiak ist für ihr Lebenswerk mit dem Preis der Defa-Stiftung geehrt worden. Die 1940 in Berlin geborene Wachowiak zähle zu den großen Charakterdarstellerinnen der Defa-Filmgeschichte, erklärte die Stiftung anlässlich der Preisübergabe am Freitag in der Akademie der Künste Berlin.
Wachowiak habe herausragenden Frauenfiguren ein einprägsames Gesicht auf der Kinoleinwand gegeben und mit ihren vielseitigen Darstellungen ein Millionenpublikum erreicht. Christian Grashof, der mehr als 40 Jahre mit ihr zusammengespielt hat, würdigte sie als „beispielgebend für Generationen“, seit er mit ihr in Chemnitz 1968 den Prager Frühling erlebte, und als „jemand, mit dem es sich lohnt, Zeit zu verbringen“.
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Jutta Wachowiak selbst, die bekannte, eine „dumme Göre“ gewesen zu sein und klammheimlich eine kluge Frau geworden zu sein, bekannte, sie sei froh, in der DDR aufgewachsen zu sein, denn: „Den Überfluss finde ich viel schrecklicher auszuhalten als den Mangel“. Und gerade, weil die jetzige Situation an die Kriegstraumata rühre, die sie viele Jahre tapfer bekämpft habe, nehme sie diesen Preis als Trost, der sie entschädigen soll für „vieles, was ich kaum aushalten kann“.

Allein mit 300 Werktätigen in der Kantine

Doch die schönste Geschichte erzählte der Drehbuchautor Thomas Wendrich, der für herausragende Leistungen im deutschen Film geehrt wurde und vor 30 Jahren bei Jutta Wachowiak studiert hat. Sie habe damals den Studierenden erzählt, wie sie einen Film mit Werktätigen in einem Betrieb gedreht habe, und in einer Drehpause in die Kantine gegangen sei. Da hätten 300 Arbeiter gesessen. Sie habe sich an einen freien Tisch gesetzt, und innerhalb von zehn Minuten sei der Tisch mit Schnapsgläsern jeglicher Farbe gefüllt gewesen.
Sie habe dann entschieden, den Rückzug anzutreten, und als sie den Türknauf in der Hand hatte, habe sie gehört, wie 300 Stühle gleichzeitig zurückgeschoben wurden. Diese Geschichte habe er, nicht ganz vollständig, in seinem Drehbuch zu „Lieber Thomas“, Andreas Kleinerts Film über Thomas Brasch, verwendet.

Erinnerung an verstorbenen Defa-Stiftungs-Vorsitzenden Ralf Schenk

Der Preis der Defa-Stiftung ist mit 10.000 Euro dotiert. Wachowiak war laut Stiftung unter anderem in den Defa-Streifen „KLK AN PTX – Die Rote Kapelle“ (1970), „Fallada – Letztes Kapitel“ (1988) und „Käthe Kollwitz – Bilder eines Lebens“ (1986) zu sehen. „Nicht die schlechteste Auswahl“, kommentiert Defa-Stiftungs-Vorsitzende Stefanie Eckert, die bei der Preisverleihung an ihren im August viel zu früh verstorbenen Vorgänger, den Filmkritiker und -historiker, Ralf Schenk, erinnerte. Wenn er eine Leinwand, einen Beamer und einen Sessel zur Verfügung habe, wo immer er jetzt sei, hätte er sich mit diesen Jutta-Wachowiak-Filmen bestimmt einen guten Abend gemacht.
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Dank an Thomas Brasch für sein Vorbild an Unabhängigkeit

Bei ihrer jährlichen Preisverleihung vergab die Defa-Stiftung Auszeichnungen im Gesamtwert von 40.000 Euro, darunter auch für herausragende Leistungen im deutschen Film (10.000 Euro) sowie einen Förderpreis für „junges Kino“ (5.000 Euro). Diese Preise gingen an den 1971 in Dresden geborenen Drehbuchautor Thomas Wendrich, der in seiner Dankesrede Thomas Brasch für sein Beispiel an Unabhängigkeit dankte, und die 1984 geborene Regisseurin Henrika Kull.
Drei Programmpreise der Defa-Stiftung über jeweils 5.000 Euro gingen an Institutionen, die sich in besonderem Maße für Filmerbe und Kinokultur engagiert haben. Die Ehrungen bekamen das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund+Köln, der Filmklub Güstrow aus Mecklenburg-Vorpommern und der ukrainische Filmklub CineMova in Berlin.
Die Defa-Stiftung bemüht sich um Erhalt und Nutzung der Defa-Filme. Der Filmstock umfasst nach Stiftungsangaben rund 12.000 Filme.