Mit eigenem Startkapital wurden im vergangenen Jahr ein Hörbuch und eine Hörbuch-CD mit einem Ausmalbuch für Kinder auf den Markt gebracht, die übers Internet und in Fachgeschäften Thüringens vertrieben werden. Zur Buchmesse in Leipzig Mitte März möchte sich der Verlag wieder einer breiten Öffentlichkeit vorstellen, sagt der 29-jährige Verlagsleiter. "Aras und die Kaktusbande" des Weimarer Buch- und Drehbuchautors Wolfgang Held wird als erster Reprint mit Soft- und Hardcover in der Messestadt präsentiert. Die Startauflage liegt vorerst bei 1500 Stück.
"Mit der bewährten Knabe-Tradition, bezahlbare Kinderbücher zu produzieren, wollen wir dabei auf keinen Fall brechen. Die Bücher sollen aber auch weiterhin keine Billig-Schmöker sein, die man nach dem Lesen wegwirft, sondern Kinderbücher mit Charme und Magie." Fünf Nachwuchsautoren aus Deutschland und Österreich arbeiten gegenwärtig für den Verlag. Die Geschichten auf den Hörbücher sprechen Radiomoderatoren. Es gebe noch immer viele Sammler und Fans. "Alte Titel sind besonders gefragt, die früher nur unter dem Ladentisch zu haben waren." Von Held erschienen beispielsweise insgesamt sieben Bücher im alten Knabe-Verlag.
Die Geschichte des Unternehmens als Weimarer Druck und Verlagsanstalt Gebrüder Knabe reicht bis 1932 zurück. Verlegt wurde anfangs Belletristik. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Brüder Gerhard und Wolfgang Knabe einen Neustart. Einen Aufschwung erlebt das Unternehmen wieder 1953. Der Verlag erhielt eine Lizenz für Kinder- und Jugendliteratur für Acht- bis Sechzehnjährige - Erzählungen, Romane und historische Biografien, erzählt Steffen Knabe. Die Bücher kosteten in der Regel weniger als vier DDR-Mark und waren größtenteils "Bückware", die von den Verkäufern für besondere Kunden unter dem Ladentisch hervorgeholt wurden. Die Auflagen waren wegen des Papierkontingentes limitiert und standen nur selten in den Regalen der Buchhandlungen.
Bei Auflagenhöhen von 10 000 bis 30 000 Stück je Titel wurden bis zu zwölf Nachauflagen produziert, hat der Verlagsleiter recherchiert. Bis zum vorläufigen Ende des Knabe-Verlages 1983 waren 300 Bücher verlegt worden. Nach dem Tod des jüngeren Bruders Wolfgang Knabe ging der Verlag 1984 in den Postreiterverlag (Halle/Saale) über. Gerhard Knabe war 1961 gestorben.