Jerusalem nach dem 3. Kreuzzug, Ende des 12. Jahrhunderts. Der jüdische Kaufmann Nathan, dessen Frau und seine Söhne durch die Christen ermordet wurden, hat in Recha eine Tochter gefunden. Sie wird aus dem Feuer gerettet von einem christlichen Tempelherrn. Dieser wiederum verdankt sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher Saladin. Denn der Sultan hat in dem jungen Mann eine Ähnlichkeit mit seinem verschollenen Bruder ausgemacht . . .
Und Saladin braucht Geld, das ihm der reiche Nathan geben soll. Also stellt er ihm die Fangfrage nach der wahren Religion. Des bedrängten Nathans weise Antwort ist die Ringparabel.
Heinz Klevenow, der das Stück schon gespielt, aber noch nie die Hauptfigur gegeben hat, freut sich darauf, „dass wir versuchen, die Konflikte zuzuspitzen, die Widersprüche in den Figuren aufzudecken. Ich habe oft den ,Nathan' gesehen, und mich hat immer gestört, dass er so fürchterlich weise ist. Aber es ist doch eine Not, in der er steckt: Wie groß ist seine Bedrohung, aus welcher Not heraus erzählt er die Ringparabel„ Oder wie verhält sich Saladin“ Er kann sich Nathans Argumentation nicht verschließen, besiegelt er die Freundschaft mit einer Umarmung oder eher vorsichtig, aus Vernunftgründen, weil er weiß: Wir kommen eh nur weiter, wenn wir uns akzeptieren, wie wir sind?“
Es ist ein „schönes, schweres Stück“ , das seine Spannung daraus beziehen kann, „wenn es zwischen den Figuren knistert“ , sagt Klevenow, „Sie ticken unterschiedlich, sind aber letztendlich gezwungen, sich miteinander zu beschäftigen. Sie sind misstrauisch, aber es wohnt ihnen immer ein Stückchen Humanität inne, sonst wären sie ja nicht in der Lage, überhaupt noch miteinander zu reden. Und es hat natürlich etwas von einem Märchen, dass sie alle versippt und verschwägert sind. Was auch zeigt, was für eine Katastrophe es gewesen wäre, wenn sie sich gegenseitig umgebracht hätten.“
Das Stück ist ja ein über 200 Jahre alter Appell, Unwissenheit, Ignoranz und Intoleranz zu überwinden, weil wir doch letztlich alle miteinander zusammen- und voneinander abhängen. „Der ,Nathan' wird sicher immer eine andere Wertigkeit haben, nach dem Krieg sah eine Inszenierung anders aus als sie heute aussieht. Aber er wird wohl in tausend Jahren immer noch gespielt, weil die Probleme nicht beseitigt sind“ , resümiert Heinz Klevenow. „Die Bereitschaft, sich hinzusetzen und einander zuzuhören, darum geht es doch. Aber vielleicht ist das heute überhaupt nicht mehr möglich, weil so viele ökonomische Interessen da sind . . .“
Es sieht leider so aus, als ob der edle Appell Lessings immer wieder verhallte. Aber Theater wäre auch nicht Theater, wenn es sich nicht stets aufs Neue das unmöglich oder vergeblich Scheinende aufbürdete.
Premiere heute, 20 Uhr, nächste Vorstellungen 5., 6. 11. und 15. April. Ticket-Telefon 03573/80 12 86.