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| 17:55 Uhr

Berlinale
„Das schweigende Klassenzimmer“

Eisenhüttenstadt/Berlin. Lars Kraumes Film, gestern auf der Berlinale, wurde in Eisenhüttenstadt gedreht.

(dpa/ik) Lars Kraumes Film „Das schweigende Klassenzimmer“, der am Dienstag auf der Berlinale seine Premiere feierte, beruht auf einer wahren Geschichte aus DDR-Zeiten. Der Zeitzeuge Dietrich Garstka hat ein Buch darüber geschrieben, was er und seine Mitschüler im Herbst 1956 erlebten – in Storkow südöstlich von Berlin.

Als Reaktion auf den von sowjetischen Truppen blutig niedergeschlagenen Ungarn-Aufstand hatten die Neuntklässler im Herbst 1956 spontan zwei Schweigeminuten für die Opfer eingelegt. Die Aktion hatte gravierende Folgen: Erst schaltete sich das Kreisschulamt ein, später auch der DDR-Bildungsminister.

Die SED-Funktionäre suchten den Anstifter, die Schüler hielten dicht und wurden alle vom Abitur ausgeschlossen. 16 von ihnen flohen zunächst nach West-Berlin und wurden später propagandaträchtig in die Bundesrepublik ausgeflogen. In Hessen machten sie schließlich 1958 ihr Abitur, unter ihnen auch Garstka.

Der Originalschauplatz Storkow taugte als Drehort nicht mehr. Die alte Schule ist längst umgebaut. Stattdessen zog es das Filmteam nach Eisenhüttenstadt. Die einst erste sozialistische Stadt der DDR – damals als Stalinstadt im Zusammenhang mit dem Eisenhüttenkombinat Ost gebaut – hat alles, was das Herz der Filmemacher höher schlagen ließ.

(dpa)