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| 20:11 Uhr

Kultur
Das Licht geht nicht ausin der Jazzwerkstatt Peitz

Der Posaunist Matthias Muche hat das Konzept für die Jazzwerkstatt Fanfare entwickelt. Er wird auf der Peitzer  Open-Air-Bühne zwischen Stüler Kirche und Festungsturm spielen.
Der Posaunist Matthias Muche hat das Konzept für die Jazzwerkstatt Fanfare entwickelt. Er wird auf der Peitzer  Open-Air-Bühne zwischen Stüler Kirche und Festungsturm spielen. FOTO: Ingrid Hoberg
Peitz. Mit einem fulminanten Programm wartet das Festival vom 8. bis 10. Juni auf. Und es wird im nächsten Jahr weitergehen, kündigt Kurator Ulli Blobel an. Von Ingrid Hoberg

 Mehr als 50 Musiker werden am zweiten Wochenende im Juni in Peitz für ein Jazz-Programm sorgen, das viele Wünsche von Freunden der kreativen, improvisierten Musik erfüllen kann. Mit The Reunion of the Art Ensemble of Chicago und Roscoe Mitchell  kommt am Samstagabend eine Instanz des avantgardistischen Jazz in die Stüler Kirche.

Doch bereits der Auftakt am Freitagabend wird alles andere als ein stilles Heranarbeiten an die Möglichkeiten der freien Improvisation. Mit der Jazz­werkstatt Fanfare wird ein einmaliges Klangerlebnis vorbereitet. Nach einer Idee von KMD Wilfried Wilke, der selbst an der Orgel mitwirkt, hat Matthias Muche  ein Konzept entwickelt.  20 Musiker werden vom Turm der Stüler Kirche und vom Festungsturm wie auch auf der dazwischenliegenden Open-Air-Festivalbühne blasen, trommeln und die Orgel erklingen lassen.

Matthias Muche ist nicht nur Posaunist. Er lebt in Köln und arbeitet als Musiker, Komponist und Medienkünstler. „Es wird keine festgeschriebene Partitur geben“, sagt er. Das geht schon nicht, weil an vier verschiedenen Positionen die Musiker stehen. Es werde eine musikalische Zündung geben, aus der heraus sich die Fanfare von einer Position zur anderen entwickelt und alles in einem großen Tutti endet.

Die Keimzelle könnte die Orgel sein, so seine Idee. „Jeder sollte die maximale Freiheit für sein Spiel haben“, sagt Muche, der versierte Improvisationskünstler an seiner Seite weiß. Er wolle dem Ganzen eine maximale Struktur geben. Für ihn sei das durchaus ein Zurück zu den Wurzeln. „Ich bin im Posaunenchor großgeworden und habe zu Kirchenglocken improvisiert“, erklärt der Musiker. Am Freitagnachmittag soll es eine gemeinsame Probe geben, in der die akustische Situation am Ort des Geschehens geklärt wird.

Nach diesem Auftakt wird es nur ein kurzes Verschnaufen geben, denn ab 21 Uhr geht es in der Stüler Kirche weiter mit Alexander von Schlippenbach als Solist  und dann als Leiter von The Globe Unitiy Orchestra. Danach heißt es, sich zu entscheiden zwischen Joe Sachse und Nils Wogram oder Miles Perkin/Tom Arthurs Quairós. Das Sonderkonzert mit Evan Parker Solo beginnt dann um 23.30 Uhr im Festungssaal.

Zum Podium am Samstagvormittag im Rathaus Peitz werden mit Jazzjournalist Bert Noglik, Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung, Cerstin Gerecht vom Brandenburger Kunstministerium und Jazzfotograf Heinrich Brinkmöller-Becker kompetente Gesprächspartner zum Thema „Globe Unity“ (Jeder für sich und alle gemeinsam) erwartet. Anschließend spielen Julie Sassoon (Piano) und Willi Kellers (Schlagzeug).

Ikonen des internationalen Jazz wie Aki Takase oder Barry Altschul treffen auf junge Musiker, die der Szene inzwischen ihre Prägung geben. Mit Vesna Pisarovic und Helga Plankensteiner profilieren sich Frauen mit eigenen Konzepten. Mit der Jazzwerkstatt gibt es eine Plattform für innovative Künstler.  Und das Festival mit der Nr. 55 wird nicht das letzte sein.

Wie Kurator Ulli Blobel ankündigt, ist die Jazzwerkstatt Peitz Nr. 56 bereits geplant. Sie wird vom 21. bis 23. Juni 2019 stattfinden. Es werde Fördermittel für den Veranstaltungsort Peitz vom Land Brandenburg und von weiteren Förderern geben. „Das Konzept fürs nächste Festival steht schon“, sagt er.  Mit James Blood Ulmer kommt ein amerikanischer Jazz- und Bluesgitarrist, bei dem es ziemlich funky zugeht. Joe McPhee steht ebenfalls auf der Agenda und der Gitarrist Jean-Paul Bourelly.  Jonas Burgwinkel, Peter Ehwald, Samuel Blaser halten dagegen.

Wer die Geschichte der Jazzwerkstatt Peitz noch einmal Revue passieren lassen will, hat dazu Gelegenheit in der Fotoausstellung, die am Festivalwochenende in der Malzhausbastei gezeigt wird. Ingrid Hoberg und Herbert Weisrock haben das Festival seit 2011 mit der Kamera begleitet.  Die Vernissage findet am Freitag, 8. Juni, um 18 Uhr statt. Es spielen Matthias Muche (Posaune) und Martin Blume (Schlagzeug).

Außerdem kann die Ausstellung „Woodstock am Karpfenteich – Free Jazz in der DDR“ im Eisenhütten- und Fischereimuseum besucht werden.

Weitere Informationen, auch zum Ticketverkauf, gibt es unter:

www.jazzwerkstatt.eu

www.peitz.de