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| 11:31 Uhr

Konzert im Staatstheater
Unfassbar – von heute

Norbert Leisegang, Martin Weigel, Gabriele Kienast , Christian Schwechheimer, Hartmut Leisegang (v.l.) mit Rockballaden vom Feinsten im Staatstheater Cottbus
Norbert Leisegang, Martin Weigel, Gabriele Kienast , Christian Schwechheimer, Hartmut Leisegang (v.l.) mit Rockballaden vom Feinsten im Staatstheater Cottbus FOTO: Angelika Brinkop / LR
Cottbus. Das Keimzeit Akustik Quintett rockt das Cottbuser Staatstheater auf die sanfte Tour. Von Ida Kretzschmar

„Albertine, du bist so jung und doch so unfassbar von gestern“, eröffnet Freitagabend Norbert Leisegang das Konzert im Cottbuser Staatstheater mit dem Titelsong des zweiten Studioalbums des Keimzeit Akustik Quintetts. Vor zwei Jahren ist es auf Malta entstanden, verrät der Keimzeit-Kopf. Fast alle Songs stammen aus seiner Feder. Während er nun von Giftzähnen und spitzen Gräten singt, von Münzen und Scheinen, danach sucht, was ewig leuchtet, und ernüchtert behauptet „dass es Liebe nicht gibt“ muss man schon die Ohren spitzen oder bereits die CD rauf und runter gehört haben.

Aber auch wenn nicht jeder jedes Wort versteht, wie in der Pause diskutiert wird, diese angerauhte, eindringliche Stimme erzeugt ein Gänsehautgefühl, das sich von Beginn an in lautstarker Begeisterung entlädt. Vor allem weil diese Kammer-Pop-Ausgabe von Keimzeit mit Gabriele Kienast an der Violine, Hartmut Leisegang an Kontrabass und Mandoline, Christian Schwechheimer am Schlagzeug sowie Norbert Leisegang und Martin Weigel mit Gitarre und Gesang einen so feinen akustischen Klangteppich webt, der so passend ist für diesen schönen Kunsttempel und eine ganz intime Atmosphäre schafft.

Selbst als die Lichttechnik für Minuten aussteigt und die Musiker auf der Bühne im Dunkeln stehen, spielen sie unbekümmert weiter: „Kann die Band ohne Strom spielen? Kann sie nicht. Kann die Band ohne Licht spielen? Kann sie doch“, kommentiert Norbert Leisegang entspannt.. Da braucht es keinen zweiten Versuch, zumal jetzt neben Songs aus dem ersten Akustik-Album „Midtsommer“ und Perlen der Filmmusik auch die Keimzeit-Kracher in sanfter akustischer Hülle zu erleben sind.

Unter pfeifender Anteilnahme vor allem des Fan-Clubs aus der Loge werden wie Ende der Achtziger die Irren ins Irrenhaus geschickt, die Schlauen ins Parlament. Überraschungsbonbons inklusive. Rauf und runter geht es die Gefühlsskala entlang zwischen Melancholie und ausgelassener Fröhlichkeit.

Noch einmal werden die brüchigen Segel für Singapur gesetzt und „Das traurige Kind“ besungen. Und nicht nur Maggie muss feststellen: „So einfach sind die Dinge nun auch wieder nicht.“ Am Ende wird noch schön herumgealbert. Nicht nur der Softschlagzeuger legt einen Solotanz auf die Bühne, auch die Fans im Rang sind in Tanzlaune. Und nach viel Applaus und reichlich Zugaben geht es für die Lausitzer nicht anders – zurück nach Hause, im Wiener-Walzer-Schritt.

Selbst wenn das ein Kult-Hit von gestern ist: Was dort über die schöne Theaterbühne kommt, ist unfassbar von heute.