Diese Entscheidung hat uns tief getroffen", heißt es in dem Brief an den Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus, die Vorsitzende des Stiftungsrates, die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Martina Münch, an den Intendanten des Staatstheaters Cottbus, Martin Schüler und den Geschäftsführer des Staatstheaters, Martin Roeder.

"Im Jahr 2008 waren wir unserem Intendanten Martin Schüler sehr dankbar, einen so mutigen und vielseitigen Regisseur wie Mario Holetzeck als Schauspieldirektor zu engagieren", betont das Ensemble in seinem Schreiben, das einstimmig verabschiedet wurde.

"Mario Holetzecks Kreativität und seinem unermüdlichem Einsatz in der Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten für das Theater in Cottbus ist es zu verdanken, dass wir in den letzten acht Jahren regional, aber auch überregional für Aufmerksamkeit und Beachtung sorgen konnten. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, ein Ensemble zu entwickeln und zu formen, das in dieser Geschlossenheit, in diesem Zusammenhalt und in dieser Konstanz eine Seltenheit in der heutigen Theaterlandschaft ist", bekräftigt das Ensemble. Er habe immer wieder bewiesen, dass er Komödie, Schwank, Musical genauso wie Tragödie, Klassiker oder zeitgenössische Stücke mit starken konzeptionellen Ansätzen umsetzen kann. Zahlreiche Arbeiten wie "Lehrer sollten nackt nicht tanzen. . .", "Der Schimmelreiter", "König Lear", "Der Diener zweier Herrn", "Shockheaded Peter", "Wolokolamsker Chaussee" oder zuletzt "Hamlet" sind Beispiel dafür. Die Ensemblemitglieder bekunden, was für ein großes Pfund und Glück sei es, einen Schauspieldirektor und damit einzigen Hausregisseur im Schauspiel zu haben, der all diese Möglichkeiten in sich vereint.

Er habe zudem großen Wert auf Theaterabende über regionale Themen sowie Stücke von regionalen Autoren gelegt. Erinnert sei an den großen, erfolgreichen Uraufführungs-Doppelabend "Der Laden", das "Cottbus-Projekt" oder die Stücke des gebürtigen Cottbuser Autors Oliver Bukowski. "Durch diese Bandbreite konnte Mario Holetzeck über die letzten Jahre ein immer größeres Publikum an unser Haus binden." Im Kasernenhof entwickelte er mit dem Open Air eine neue Marke, gewann neue Zuschauer und erzielte zusätzliche Einnahmen. Insgesamt seien die Auslastungszahlen und Einnahmen unserer Sparte stetig gestiegen, heißt es im Brief.

"Wir schätzen unseren Schauspieldirektor wegen seiner menschlichen Integrität, seiner vielseitigen künstlerischen Fantasie und Kraft, mit der er uns mitreißt, unserer Arbeit immer neue Impulse gibt, streitbar Widerspruch fordert und zulässt und nicht zuletzt wegen der Transparenz seiner Leitungsentscheidungen", begründet das Ensemble, warum es diesen Weg mit ihm weiter gehen will. "Wir wollen auch über das Jahr 2017 hinaus spannende, aufwühlende und unterhaltsame Theaterabende mit ihm gemeinsam erarbeiten - für unser Publikum! Wir bitten die Theaterleitung deshalb, den Vertrag unseres Schauspieldirektors über das Jahr 2017 hinaus zu verlängern."

Der Intendant des Staatstheaters Cottbus Martin Schüler zeigte sich erstaunt über den Brief. Es habe bereits einen internen Brief des Ensembles vor der Spielzeitpause gegeben und inzwischen auch eine Spartenversammlung, in der die Theaterleitung sachlich die Gründe dargelegt habe, warum der Vertrag von Mario Holetzeck nach der Spielzeit 2016/2017 nicht verlängert wird. "Ich finde es sympathisch, wie sich das Ensemble für den Schauspieldirektor einsetzt. Aber die Entscheidung wurde nach reiflichem Überlegen gefällt. Da gibt es nichts mehr zu überdenken. Es ist ausgesprochen, genau durchdacht, die Fristen wurden eingehalten. Nach neun erfolgreichen Jahren braucht es eine künstlerische Erneuerung in der Leitung der Schauspielsparte. Darin sehe ich meine Verantwortung als Intendant: Theater braucht Veränderung, verblüffende Vielfalt, neue Impulse, soll es kein Einschlaftheater sein." Über die Nachfolge des Schauspieldirektors werde ab der nächsten Woche beraten.

Dr. Martin Roeder, Vorsitzender des Vorstandes der brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus und Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters, unterstützt die Entscheidung, die auch von der Spitze des Stiftungsrates, Kulturministerin Martina Münch (SPD) und Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) mitgetragen werde: "Es ist ein sehr schöner Brief, und wir freuen uns über die Erfolge, die das Schauspiel mit Mario Holetzeck an der Spitze erreicht hat. Und doch hat Martin Schüler entschieden, dass die Zeit reif ist für eine künstlerische Erneuerung.

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