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Interview mit Angelika Zacek, Matthias Horn und Max Schumacher
Missverständnisse im Bühnenexperiment

Die Regisseure Angelika Zacek, Matthias Horn und Max Schumacher (l.) lassen am Samstag in der Cottbuser Kammerbühne des Staatstheaters das Aquarium brennen.
Die Regisseure Angelika Zacek, Matthias Horn und Max Schumacher (l.) lassen am Samstag in der Cottbuser Kammerbühne des Staatstheaters das Aquarium brennen. FOTO: Kross
Cottbus. Drei Fragen an drei Regisseure über „Das brennende Aquarium“. Das Stück hat am Samstag am Staatstheater Cottbus Premiere.

„Das brennende Aquarium“ kommt am Samstag in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus als Bühnenexperiment mit drei Regisseuren und zwei Schauspielern zur Premiere. Angelika Zacek, Matthias Horn und Max Schumacher setzen sich mit Texten aus Ronald D. Laings „Liebst du mich?“ auseinander. Die RUNDSCHAU stellte vorab drei Fragen an drei Regisseure.

Was reizt Sie an so einem Bühnen­experiment und an den Geschichten des Psychoanalytikers?

Zacek Das Experiment zeigt, wie unterschiedlich Regisseure einen Stoff interpretieren können, und zusätzlich, wie viele verschiedene Arten von Spielweisen am Theater existieren. Die erstaunliche Vielfalt eröffnet einen Kosmos für die Betrachter und lädt zum anschließenden Diskurs ein. An den Geschichten des Psychoanalytikers wie an den unterschiedlichen Spielweisen erkennt man, dass Worte nicht so wichtig sind wie Situation, Handlung und Interpretation.

Schumacher Bühnenexperimente mit Einladungen, Spielregeln und dann parallelen Ergebnissen habe ich sonst selber initiiert – es ist das erste Mal, dass ich mich selbst solchen Vorgaben stelle und finde es enorm inspirierend. Laings Texte verdichten das Verrückte im Normalen.

Horn Das Reizvolle für mich in diesem Projekt ist das Präsentieren dreier unterschiedlicher Regiehandschriften auf Grundlage von Paardialogen des britischen Psychiaters Ronald D. Laing, und das Ganze an einem Abend. Und nicht zu unterschätzen: die Arbeit der beiden Schauspieler, Kristin Muthwill und Boris Schwiebert, die sich den unterschiedlichen Sicht- und Spielweisen der Regisseure anpassen mussten.

Ronald D. Laing befasste sich unter anderem auch mit Schizophrenen und Schizoiden und wies in seinen Werken auch auf die Selbstverständlichkeit von schizophrenen Zwängen im gesellschaftlichen Verhalten hin. Unter diesem Aspekt habe ich versucht, mich theatralisch diesen Texten zu nähern.

In dem Stück redet ein Paar aneinander vorbei. Ist Verständigung zwischen Frau und Mann auf Basis gegenseitigen Verständnisses so unmöglich wie ein brennendes Aquarium? Wie setzen Sie diese zentrale Frage in Szene?

Zacek Missverständnisse gibt es überall, wo es Kommunikation gibt. Und Kommunikation findet überall statt, auch ohne Worte. In meinem Teil gibt es nur eine Szene, die auf viele Arten und Weisen gespielt wird. Da bleibt nichts nur auf Mann und Frau reduziert. Es entwickelt sich weiter. Wir denken und assoziieren in immer größer werdenden Dimensionen.

Schumacher Jede Kommunikation ist eine Übersetzung. Gibt es eine Übersetzung jenseits von Sprache?

Horn Die Kommunikation zwischen Mann und Frau bei Ronald D. Laing zeigt meines Erachtens die neuralgischen Stellen, wo Verständnis und Missverständnis auseinanderdriften. Ich habe mich deshalb bewusst für eine reduzierte, fast minimalistische Spielweise entschieden, um dadurch den Konflikt in der Paarbeziehung noch deutlicher zu machen. Dazu kommen die Mittel der Musik, der Bildersprache sowie Lichtstimmungen, die den Szenenentwurf unterstützen sollen.

Dreimal der gleiche Stoff: Wie hält man da die Zuschauer bei der Stange?

Zacek Gerade weil drei Regisseure drei unterschiedliche Fassungen des Stoffes kreiert haben, wird es sehr spannend. Wir waren selber verblüfft, wie unglaublich anders jeder Teil ist. Man denkt vielleicht, man hat den Text schon gehört, ist aber überrascht, dass er so unvorstellbar anders in Szene gesetzt ist. Es gibt viel zu entdecken, zu erkennen und zu staunen. Langweilig wird Ihnen nicht, überzeugen Sie sich selbst, und kommen Sie vorbei!

Schumacher Es sind drei komplett verschiedene Stücke, verrückt verschieden. So einen spannenden Abend kann es gar nicht von einer Regie allein geben!

Horn Zunächst einmal zeigen wir nicht alle drei das gleiche Stück, es gibt Text- und Szenenüberschneidungen, aber auch unterschiedliche Textauswahlen und Spielweisen. Ich denke, dass gerade diese Unterschiedlichkeit des gleichen Themas den Zuschauer fesseln kann. Zum anderen haben die Texte auch einen gewissen Grad an Komik, an Ironie. Auch das lockert die Stimmung und kann dem Zuschauer helfen, Vergnügen zu empfinden.

Drei Fragen an drei Regisseure stellte Ida Kretzschmar

Das brennende Aquarium, Schauspielabend nach Texten von Ronald D. Laing, Vorstellung und Debatte. Karten für die Premiere am Samstag, 19.30 Uhr in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus und die nächsten Vorstellungen im Besucherservice sowie online über www.staatstheater-cottbus.de; Ticket-Telefon 0355/7824 2424.