Er, der als Meister von Licht und Farbe gilt, und dessen Werk zu Lebzeiten (1798 -1840) von vielen Zeitgenossen nicht verstanden wurde, weil es so gar nicht zur damals vorherrschenden Epoche der gefühlsschwelgerischen Romantik passte. Denn Blechen bildete reale Landschaften ab und galt damit später als Vorläufer des Impressionismus. Sein Werk wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt - und ist in den letzten Jahren stärker in das Blickfeld kunsthistorischer Forschung gerückt.
Um die neuesten Erkenntnisse zu verkünden und zu diskutieren, trafen sich am Wochenende Wissenschaftler und Freunde der Kunst Carl Blechens im Branitzer Park, wo der Sitz der Blechen-Gesellschaft mit ihrer umtriebigen Chefin Beate Schneider ist. Das Branitzer Schloss beherbergt auch eine bedeutende Sammlung von Werken des Malers.
Und es zeigte sich: Forschung an Kunst vergangener Tage muss nicht verstaubt sein. Denn unter den Teilnehmern war auch die jüngere Generation stark vertreten. So stellte beispielsweise Kilian Heck aus Berlin, der gerade zu Blechen habilitiert, unbekannte Dokumente von und über den Maler vor. Er sei in seiner inzwischen dreijährigen Forschung auf viele Quellen gestoßen, so Heck, beispielsweise zum bisher relativ unberührten Thema „Malerische Vorbilder von Blechen“ . So habe er Kommentare von Blechen über zeitgenössische Malerkollegen gefunden, deren Werke der Künstler - damals Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie - für seine Schüler ausgesucht hatte. Darunter sollen drei Baumstudien von Carl Ludwig Frommel und Bilder von Jules Louis Frederic Villeneuve gewesen sein, die Blechen allesamt lobte und die thematisch und methodisch auf seine Kunst ausstrahlten.
Außerdem zitierte Kilian Heck aus zwei kürzlich aufgetauchten Briefen von Blechens Ehefrau Henriette aus den Jahren 1838 und 1839, die interessante Einblicke in die damals bereits weit fortgeschrittene Geisteskrankheit des 1840 verstorbenen Künstlers geben. So ist zu lesen, dass Blechen das Bild „Der Golf von Spezia“ nicht ausstellen wollte, weil er sich vor den „vielen bösen Augen fürchtete, die das Bild ansehen“ . Das Thema der Augen komme in Blechens Bildern recht häufig vor, bemerkte Heck, sodass der Betrachter gelegentlich den Eindruck bekomme: Man wird von der Landschaft beobachtet. Beispielsweise in der Ölskizze „Gebirgsschlucht im Winter“ , die auch in Branitz hängt, sei eine dunkle Hütte mit zwei Lichtaugen zu sehen.
Das Thema von Hell und Dunkel in Blechens „schwarzen“ Bildern griff auch Prof. Reinhard Wegner aus Jena auf. Der krasse Gegensatz von finsteren Farben und weißen Tönen habe eine große Rolle gespielt. Dies lasse viel Imagination und Interpretation zu - und viele Fragen, die in Blechens Werk noch offen sind. Deshalb ermunterte Prof. Helmut Börsch-Supan, Nestor der Blechen-Forschung, die jungen Wissenschaftler, weiterzuforschen und die Inhalte bekannt zu machen. Außerdem müsse Blechen noch mehr in die Köpfe der Lokalpolitiker - denn er und das Juwel Branitz mit dem Blechenbestand seien eine große Chance für Cottbus.