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| 11:23 Uhr

Die besondere Ausstellung
„Dalí in Doberlug“ – ein Glücksfall

Astrid Raab (r.) aus Finsterwalde hat ihre Berliner Freundin zur Dalí-Ausstellung nach Doberlug-Kirchhain gelockt. Die Schau ist noch bis 10. Juli zu sehen.
Astrid Raab (r.) aus Finsterwalde hat ihre Berliner Freundin zur Dalí-Ausstellung nach Doberlug-Kirchhain gelockt. Die Schau ist noch bis 10. Juli zu sehen. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Das Museum Schloss Doberlug präsentiert noch bis zum 10. Juli rund 140 druckgrafische Arbeiten des spanischen Surrealisten Salvador Dalí. Besucher freuen sich über dieses Angebot fern der Metropolen. Von Heike Lehmann

Die schönsten Räume im Schloss Doberlug sind für Salvador Dalí (1904-1989), einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, angemessen. Noch bis zum 10. Juli können Besucher im Westflügel des wunderbar sanierten Renaissancebaus den spanischen Surrealisten über rund 140 seiner druckgrafischen Arbeiten kennenlernen. Sie gehören allesamt zur Sammlung Rebmann, einer der umfangreichsten deutschen Privatsammlungen mit Arbeiten Dalís.

Das Museum Schloss Doberlug konzentriert sich auf Dalí als Illustrator. Als eines der jüngsten Museen in Brandenburg wurde es nach der erfolgreichen 1. Brandenburgischen Landesausstellung „Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft“ (2014) aus der Taufe gehoben. Dass jetzt Dalí-Originale über drei Monate mitten im Elbe-Elster-Kreis und fern der kulturellen Metropolen zu sehen sind, ist ein Trumpf, mit dem das Museum überregional sticht. Kunstfreunde nehmen durchaus weite Wege in Kauf. Viele Besucher kommen aus dem Raum Cottbus, aber auch zahlreiche Berliner sind darunter. Babette Weber, Leiterin des Museumsverbunds Elbe-Elster, ist glücklich: „Wir sind uns mit Helmut Rebmann relativ schnell einig geworden. Künstlerisch und kunsthistorisch kann sich diese Ausstellung sehen lassen. Viele Besucher sind beeindruckt davon, dass wir Dalí nach Doberlug holen konnten und äußern sich lobend über die Qualität. Möglich gemacht hat das eine  kräftige Finanzhilfe der Sparkassenstiftung ,Zukunft Elbe-Elster-Land’.“ Zur Halbzeit waren schon mehr als 3000 Besucher in der Ausstellung.

Dalí hat einige der bekanntesten literarischen, mythologischen und religiösen Texte illustriert und damit Hommagen für die Dichter Dante, Cervantes und Rabelais sowie für viele andere literarische Meisterwerke geschaffen. In Doberlug-Kirchhain sind unter anderem ein Zyklus zu „Don Quichotte de la Mancha“, Druckplatten und Grafiken zur „Göttlichen Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri sowie Interpretationen von Francisco de Goyas Capricen zu sehen. Gern hätte die Museumschefin auch Illustrationen aus „Les Dîners de Gala“, einem Kochbuch, in dem Dalí 1973 surrealistischen Witz mit verschrobenen Gaumenfreuden gepaart hat, gezeigt. Vielleicht ein anderes Mal.

Der Besucher muss so schon einige Zeit mitbringen, um die Vielfalt des Gezeigten zu erfassen, sich in die Grafiken hineinzusehen, um das Geniale darin zu entdecken. Das merkt auch Astrid Raab aus Finsterwalde, die mit einer Freundin aus Berlin durch die Räume geht. Sie sagt: „Ich bin noch nie wegen Dalí irgendwohin gefahren. Aber ich mag Kunst und ich bin froh, dass wir eine solche Ausstellung hier sehen können.“

„Pantagruels drollige Träume“ (1970, Kaltnadelradierungen) eröffnen den Rundgang und stimmen den Besucher kraftvoll ein – inhaltlich, farblich und grafisch. Überraschend zart und wohltuend sparsam dagegen sind die Illustrationen zu Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ (1974). Eine Ikone der Kunstgeschichte, Francisco de Goyas gesellschaftskritischen Zyklus „Los Caprichos“ (1799), interpretiert der Surrealist mit seinen „Les Caprices des Goya de Dalí“ (1975, Kaltnadelradierung mit Heliogravur) und lässt dabei Rückschlüsse auf seine Gedankenwelt zu. Den direkten Vergleich ermöglichen vier Originale von Goya, die den 30 Arbeiten von Dalí gegenübergestellt sind.

Natürlich stößt der Betrachter vielfach auf Dalís fantasievolle Symbolik: schmelzende Uhren, überlange Gliedmaßen, offene Schubladen, Krücken und die brennende Giraffe – in „Les Chants de Maldoror“ (Die Gesänge des Maldoror, 1934, Kaltnadelradierungen mit Heliogravur) als Vorzeichen des Krieges interpretiert. Dalís unkonventionelle Techniken wurden legendär. Er schoss unter anderem mit Musketen auf Lithosteine und ließ eine mit Nägeln gefüllte Bombe auf Kupferplatten explodieren. Aus den entstandenen Mustern entwickelte er seine figürlichen Darstellungen. Mitunter eine Herausforderung für den Betrachter.

Mit dem bisherigen Verlauf ist der Sammler und Kurator der Doberluger Ausstellung Helmut Rebmann sehr zufrieden. Die RUNDSCHAU erreichte ihn am Mittwoch telefonisch auf Teneriffa. Er besitzt mittlerweile etwa 800 Dalís und 1500 bis 2000 Werke anderer Künstler. Seine Begeisterung für Dalí kennt kaum Grenzen. Er sagt: „Zum Beispiel in der ,Apokalypse des Heiligen Johannes’ entdecke ich immer wieder Neues.“ Rebmann hat eine Expertise erworben, die ihn als Gutachter für Dalí-Werke einstuft. Und doch ist auch er schon Fälschungen aufgesessen. „Ich habe 30 Stück, abgestempelt vom Landeskriminalamt. Das sind die besten Fälschungen der Welt. Die will ich in einer Ausstellung den Originalen gegenüberstellen.“

Die Doberluger Dalís jedoch, versichert Rebmann, sind sämtlich Originale. Der 69-Jährige bereitet derzeit Ausstellungen in Görlitz, Zittau und in Warschau vor, und er träumt von zwei Dalí-Museen – auf Teneriffa und in Deutschland, wo er noch „die richtige Stadt“ finden muss – um seine Sammlung zukunftsträchtig unterzubringen.

Tipp: Eine Ausstellungseinführung am 10. Juni um 11.30 Uhr stellt den Künstler vor, setzt ihn in den Kontext des Surrealismus und geht auf einzelne Arbeiten ein. Angekündigt hat sich für diesen Tag der Sammler Helmut Rebmann, der an der Führung teilnimmt und für Fragen zur Verfügung steht.

Eintritt fünf Euro, ermäßigt drei Euro zuzüglich ein Euro Führungsentgelt pro Person. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl wird für die Führung am Sonntag unbedingt um Voranmeldung unter der Telefonnummer 035322 6888520 oder per E-Mail an museum-schlossdoberlug@lkee.de gebeten.

Der Sammler Helmut Rebmann im Schloss Doberlug.
Der Sammler Helmut Rebmann im Schloss Doberlug. FOTO: Heike Lehmann