Für Dörthe Ziemer, die zur Wendezeit gerade mal zwölf Jahre alt war, kein einfaches Unterfangen, Erinnerungen aus 40 Jahren DDR einzufangen. Aber die Autorin hat umfangreiches Archivmaterial gesichtet, das Cottbuser Bürger in ABM-Projekten in den 2000er-Jahren für die Regionalwerkstatt Brandenburg im Auftrag des Stadtmuseums Cottbus erstellt hatten. Sie haben Dutzende Zeitzeugeninterviews geführt, aus denen ein vielgestaltiges, spannendes und oft überraschendes Bild der Cottbuser DDR-Zeit erwächst.

Dörthe Ziemers Verdienst ist es, dieses Material für ein breiteres Lesepublikum zugänglich gemacht zu haben. Wobei es mit diesem Buch längst noch nicht erschöpft ist. Viele Themen bleiben hier noch unbehandelt, harren weiterer Aufbereitung.

Es geht um Baumkuchen als Bückware, zensierte Opernarien, gefürchtete Feriendienstkommissionen und Hausgemeinschaftspartys im Keller - um kleine Schikanen und große Verbote, die den Alltag in Cottbus in jener Zeit prägten. Aber auch das geliebte "Sternchen" findet seinen gebührenden Platz wie auch all jene Partyorte, an die sich die Lausitzer noch immer gern erinnern. Schade, dass die Zeitzeugenberichte anonym geblieben sind. Sie hätten die Erinnerungen noch unverwechselbarer gemacht, die neben geschichtlichen und statistischen Fakten stehen. Und doch kann man sich vorstellen, wie es damals ausgesehen hat, nach dem Kriege und in den Jahren danach, woraus die Hoffnungen erwuchsen und woraus die Enttäuschungen. Manch einen mag es anregen, sich zu erinnern, manch anderer mag die Zeit mit anderen Augen gesehen haben. So kann es der Diskussion dienen. Das Bildmaterial zu diesem Buch stammt zumeist aus dem Stadtarchiv und dem Stadtmuseum Cottbus. Auch RUNDSCHAU-Fotoreporter Erich Schutt und Michael Helbig steuerten Dokumentarisches bei.

Kommenden Mittwoch ab 19 Uhr stellen Steffen Krestin, Leiter der Stadtgeschichtlichen Sammlungen Cottbus, und die Autorin das Buch im Neuen Stadtmuseum Cottbus, Bahnhofstraße 22, vor. Es ist auch erhältlich unter

www.rundschau-shop.de