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| 18:37 Uhr

Weberknechte
Funken aus den Trommeln geschlagen

Die Weberknechte, das Percussion-Ensemble der Kreismusikschule „Gebr. Graun“ des Landkreises Elbe-Elster hat das Publikum zur Festival-Eröffnung im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus in seinen Bann gezogen.
Die Weberknechte, das Percussion-Ensemble der Kreismusikschule „Gebr. Graun“ des Landkreises Elbe-Elster hat das Publikum zur Festival-Eröffnung im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus in seinen Bann gezogen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“: Starker Festival-Einstiegsfilm im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus. Von Peter Blochwitz

Das war mal wieder ein Knaller zur Festival-Eröffnung am Dienstag im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus: Die Weberknechte, das Percussion-Ensemble der Kreismusikschule „Gebr. Graun“ des Landkreises Elbe-Elster haben Funken aus den Trommeln geschlagen! Die Truppe, deren jüngstes Mitglied erst acht Jahre zählt, ist in diesem Jahr  Bundessieger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ geworden.

Ein weiterer Knaller für die Festivalgäste war die Ankündigung, dass der 75-jährige Bernd Schiphorst sich vom Vorsitz des Festival-Kuratoriums zurückzieht (siehe Extra-Text) und Platz für Matthias Platzeck (64) machen wird. Die Osteuropa-Affinität des früheren SPD-Ministerpräsidenten  Brandenburgs und Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums wird dem Kuratorium zweifellos nutzen. Aber Schiphorst reißt natürlich zunächst eine Lücke, seine Verdienste sind unbestritten, seine launigen Festival-Reden legendär. Er ist vom Publikum der Eröffnungsveranstaltung am Dienstag mit donnerndem Applaus verabschiedet worden.

Noch ein Abschied war zu verkünden: Auch der nun 80-jährige Interfilm-Jury-Koordinator Hans Hodel tritt kürzer.

Da lag  ein wenig elegische Stimmung im Saal. Der wollte offenbar die unter anderem von Radio Eins bekannte Moderatorin des Abends, Britta Steffenhagen, kräftig entgegenwirken. Sie agierte sehr forsch,  überdreht, nicht angemessen.

Für Angemessenheit sorgte dann Hendrik Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, der das Festival eröffnete:  „Das Festival hat internationale Strahlkraft. Gleichzeitig ist es auch regional stark verankert: Die sorbische Bevölkerung in der Lausitz beteiligt sich an dem Festival ebenso wie zahlreiche regionale Firmen und Organisationen, die die Durchführung unterstützen.“

Und Bernd Buder, Programmdirektor des Festivals, ergänzte: „Osteuropa ist so reich an Geschichten und leider auch an Konflikten, die hierzulande hinter den Schlagzeilen meist nur ungenügend aufgearbeitet werden. Das osteuropäische Kino bietet die Chance, hinter die Kulissen zu schauen. Wer sich mit Film und Osteuropa beschäftigt, setzt sich also zwangsläufig mit Politik auseinander.“

Wofür exemplarisch der  Eröffnungsfilm steht, das in Cannes preisgekrönte Drama „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“  des polnischen Auslandsoscar-Preisträgers Paweł Pawlikowski („Ida“): Während des polnischen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula, die Wiktor von Anfang an elektrisiert ...

Der Schwarz-Weiß-Film erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe in Zeiten des Kalten Krieges. Sie können nicht miteinander, sie können nicht ohne einander. So flammend ihre Liebe, so zerrissen ist das Paar. Und so ist das Finale des Films zwar dazu angetan, in traurige Stimmung zu verfallen, aber doch absolut schlüssig. Es konnte einfach kein anderes Ende geben. Eine starke  Liebesgeschichte, die lange nachwirkt.

Ein sehr passender Festival-Einstieg.  Auch bei den zwölf Wettbewerbsfilmen dieses Jahrgangs steht ausgelassene Fröhlichkeit eher nicht im Vordergrund. Der Zuschauer sei gewappnet.