ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:57 Uhr

Vor der Premiere
„Musik war immer in meinem Leben“

Chrisian Henneberg als Don Giovanni.
Chrisian Henneberg als Don Giovanni. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Christian Henneberg singt am Staatstheater Cottbus den Don Giovanni – eine Traumrolle. Von Renate Marschall

Den Don Giovanni würde er gerne singen, hatte er Intendant Martin Schüler gesagt, als der zu Beginn seines Engagements nach Traumrollen fragte. Aber erst in drei Jahren hatte Christian Henneberg nachgeschoben. Als der junge Bariton 2015 nach Cottbus kam, wollte er sich „für die Entwicklung der Persönlichkeit, die man für diese Partie braucht, noch etwas Zeit lassen“. Martin Schüler hat sich’s gemerkt, und nun steht eine der meistgespielten Opern Wolfgang Amadeus Mozarts auf dem Spielplan. Am 24. Februar um 19.30 Uhr ist im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus Premiere.

Voller Enthusiasmus hat sich Henneberg in das Rollenstudium gestürzt und die Leidenschaft für die Rolle, seinen Beruf überhaupt, spricht aus jedem Wort, aus jeder Geste, als würde er gleich bersten vor lauter Tatendrang. Da glüht einer für das, was er tut.

Gründlich hat er sich auf die auf Italienisch zu singende Partie vorbereitet. Mit einem echten Italiener hat er in seiner Heimatstadt Dresden das Libretto einstudiert, damit es klingt und seine italienische Kollegin Sara Rossi Daldoss, die die Donna Anna singt, nicht etwa die Chance hat zu behaupten, er singe von salzigen Fischen.

Über die Psychologie der Figur hat er mit Schauspieldirektor Jo Fabian bei einem Bier diskutiert und den Papa, Kammersänger Matthias Henneberg, ebenfalls Bariton, seit 37 Jahren an der Semperoper Dresden und Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, zu einer Art Korrepetitor gemacht. „Ich habe großes Glück, dass ich meinen Vater um Rat fragen kann“, sagt Christian Henneberg, „viele junge Sänger müssen ohne jegliche Unterstützung auskommen.“

War da mal ein anderer Berufswunsch, nichts mit Musik? Christian Henneberg schüttelt den Kopf. „Musik war immer in meinem Leben. Da stand dieses große, schwarze Ungetüm, der Flügel, und es hat mich interessiert, wenn der Papa zu Hause geübt hat. Meiner Oma in Thüringen habe ich immer erklärt, dass ich der Mann am Klavier sein will.“ Diesem Wunsch hat seine Klavierlehrerin ein jähes Ende gesetzt, indem sie ihm empfahl, sich für ein anderes Instrument zu entscheiden. Die Wahl fiel auf Oboe. Gegen Ende seiner Schulzeit am Sächsischen Landesgymnasium für Musik aber spürte er: „Mir fehlte etwas – die Sprache.“ Sich mittels der Musik auszudrücken war das eine, aber sich in eine Figur einzufühlen, sie auf der Bühne zum Leben zu erwecken etwas ganz anderes. Schon während der Schulzeit hatte er sich in einer Schauspieltruppe ausprobiert.

„Es fiel mir nicht leicht, mit meinen Eltern, die viel Geld in Ausbildung und Instrument investiert hatten, über meine neuen Pläne zu sprechen“, erinnert sich Henneberg. Aber auch diesmal standen die Eltern an seiner Seite. Der Vater gab ihm ersten Gesangsunterricht.

Drei Jahre studierte der junge Bariton dann an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, danach an der Folkwang-Universität Essen bei Prof. Jan Hendrik Rootering. Schon im dritten und vierten Semester sang er den Elias in Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium. Der Vater schlug die Hände über dem Kopf zusammen – viel zu schwer für die junge Stimme. „Mir hat es Spaß gemacht“, kommentiert der Sohn.

Eine Partie, die jetzt gerade richtig kommt, ist der Giovanni. Nicht nur, weil Henneberg und seine Figur etwa im selben Alter sind, Anfang Dreißig. Wie ihn stellt man sich einen jugendlichen Liebhaber vor. Ein Wüstling gar soll der Giovanni sein. Henneberg sieht das etwas differenzierter. Klar habe Giovanni reihenweise Frauen verführt, allein in Spanien, wie sein Diener Leporello prahlt, 1003. Dass es in Deutschland nur 230 waren, wirft Fragen auf, aber das ist eine andere Geschichte. Warum hatte dieser Don Juan, die Vorlage für Giovanni, so viel Erfolg bei den Frauen? „Vielleicht, weil er ihnen zugehört, nach ihren Wünschen gefragt, sie wertgeschätzt hat, was zu jener Zeit nicht selbstverständlich war“, mutmaßt Christian Henneberg. „Das Problem war nur, jede wollte ihn für sich haben, und letztlich scheiterte er auch an den Konventionen seiner Zeit.“

Wir erleben Giovanni an seinem letzten Tag. Sein Leben fliegt ihm um die Ohren, seit er von Donna Annas Vater in deren Schlafzimmer überrascht wurde und ihn im Duell tötete. Und auch die junge Braut Zerlina tut nur so, als könnte er bei ihr landen. Dennoch glaubt Don Giovanni weiter an sein Glück – während bereits die Stunde der Abrechnung naht. Leporello, gesungen von Andreas Jäpel, über den Christian Henneberg geradezu euphorisch spricht, wie überhaupt über seine Kollegen, ahnt das nahende Unheil. Wie ihn das auf der Cottbuser Bühne ereilt, wird natürlich nicht verraten. Aber doch wenigstens, welche Rollen noch auf Christian Hennebergs Wunschliste stehen: der Onegin in „Eugen Onegin“ und Wolfram im „Tannhäuser“ – wenn es an der Zeit ist.

Die Premiere ist ausgebucht. Für die weiteren Vorstellungen sind Karten erhältlich bei der RUNDSCHAU; im Besucherservice; Ticket-Telefon 0355/ 78242424. sowie über www.staatstheater-cottbus.de