In einem japanischen Restaurant in Mitte wurde - im Beisein des japanischen Fernsehens - eine Doppel-CD präsentiert. Auf der einen wird japanisch gesungen, unter anderem von Wir sind Helden, Stereo Total und Einstürzende Neubauten; auf der zweiten befindet sich ein Crash-Sprachkurs Deutsch-Japanisch.
"Poptastic Conversation" nennt sich die CD (ab nächsten Freitag im Handel), auf der diverse deutsche Bands japanisch singen. Ihre eigenen Lieder wohlgemerkt. Das klingt teilweise ganz lustig, und etliche Japaner hätten auch geschmunzelt, erzählte George Lindt, der Initiator des Projekts. Allerdings seien nicht alle amüsiert gewesen, wie er in Interviewgesprächen zur Platte erlebt habe. Einige Japaner hätten ihre sprichwörtliche Höflichkeit vergessen, was vor allem an dem Lied "Kujira O Sukue" von der Band Die Ärzte lag. Dabei handelt es sich nämlich um die japanische Version von "Rettet die Wale". Deren Botschaft haben die Japaner offenbar ganz gut verstanden - Sänger Farin Urlaub lernt ja auch ernsthaft Japanisch - und sie fanden sie wohl nicht witzig. Wenn es um Wale geht, kennen die bekennenden Walfleischliebhaber aus Nippon ansc heinend keinen Spaß.
Trotzdem hält George Lindt an dem Ziel des Plattenprojekts fest, auf charmant-spielerische Art auf eine fremde Kultur zuzugehen. Die Japaner ein bisschen zu pieksen, gehöre durchaus dazu. In diese Schneise dürfte sich auch der Song "Kaisha Yame Ni Mairimashita" von Bernd Begemann einordnen. Es ist eine Adaption des Liedes "Ich komme, um zu kündigen", das in seiner textlichen Aussage eine gewisse Stichelei gegen die vorherrschende Arbeitsmoral der Japaner nicht verbergen kann.
Vielleicht hat das Label auch deshalb keine Sponsoren gefunden, die eine Präsentation des völkerverbindenden Albums in Japans Hausptstadt Tokio ermöglichten. Auch die Japanische Botschaft in Deutschland hat auf entsprechende Anfragen zur Unterstützung nicht mal reagiert.