Herr Paulheim, oft fällt mit Captain Cook in einem Atemzug auch der Begriff Volksmusik. Sehen Sie sich selbst als Volksmusikstar?

Captain Cook ist ein wenig schwierig einzuordnen. Wir machen ja eigentlich die Evergreens und Oldies der 50er-, 60er- und 70er-Jahre. Und in dem Sinn spielen wir ja alles von Schlager bis Pop in unserem Captain-Cook-Sound. Wir decken eine ganze Palette Stilrichtungen ab. Wir spielen eben die Hits dieser Jahre.

Der Volksmusik hängt das Image der Oberflächlichkeit nach. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Das ist ein großes Thema. In jeder Musiksparte, ob Pop, ob Rock, ob Schlager muss man gut sein, um Erfolg zu haben. Auch in der Volksmusik gibt es Leute, die gut sind, und jene, die es nicht sind. Genauso wie in anderen Musikbereichen. Von diesem angeblichen Negativ-Touch halte ich nicht viel. Es wird allgemein über die Schlager- und Volksmusikrichtung viel zu viel Negatives geschrieben, was nicht immer wahr und richtig ist. Viele sehen es so, weil sie sich nicht richtig damit beschäftigen. In der Volksmusik – volkstümliche Musik wäre eigentlich der bessere Ausdruck – werden meiner Meinung nach auch Supersachen gemacht.

Was sind Ihre Lieblingsinterpreten im Bereich der Volksmusik?

Also, ich hab' selbst früher auch solo gesungen im Schlagerbereich. Mein Herz schlägt deshalb eigentlich schon eher für den Schlager. Aber mir gefällt auch AC/DC. Ich habe kein konkretes Vorbild. Mir gefallen sehr viele Sachen.

Wie kam es zur Idee, die Hitmelodien mit Saxophon-Klängen zu untermalen?

Das ist die Idee von unserem Produzenten Günther Berle gewesen. Er hat das vor vielen Jahren ins Leben gerufen. Die Grundidee kommt aber von Billy Vaughn, der diesen Sound in den 50er-Jahren kreiert hat. Wir haben das in der neuen Zeit übernommen.

Experimentieren Sie auch bei der musikalischen Gestaltung der Auftritte? Wird es eine Gesangsstimme oder ein neues Instrument geben?

Das glaube ich nicht. Es ist ja hauptsächlich unser Produzent, der die Fäden zieht. Ich glaube auch, dass der Captain-Cook-Sound so bleiben sollte, denn er hat einen großen Wiedererkennungswert. Es gibt ab und zu mal ein oder zwei Gesangstücke, die wir mit unserem Sound mischen.

Ist es Captain Cook gelungen, einen unverwechselbaren Sound zu erschaffen?

Ja, eigentlich schon. Wir werden auch von vielen Leuten auf der Straße angesprochen. Viele hören im Radio den Unterschied zwischen Billy Vaughn und Captain Cook heraus.

Welchen Titel aus ihrem aktuellen Album „Du bist nicht allein“ mögen Sie persönlich am liebsten?

„Du bist nicht allein“ ist der große Hit von Roy Black gewesen. Das ist schon eines der wichtigsten und auch eines meiner liebsten Lieder.

Sie sind in diesem Jahr für den Echo nominiert, haben im Verlauf Ihrer Karriere etliche Preise gewonnen. Welcher liegt Ihnen besonders am Herzen?

Wir sind in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal beim Echo nominiert. Und es ist schon eine tolle Sache, überhaupt nominiert zu sein. Man gehört zu den fünf in der jeweiligen Musiksparte, die am meisten CDs verkauft haben. Wir waren auch zweimal Sieger im deutschen Vorentscheid zum Grand Prix der Volksmusik. Wenn man bei solchen Sendungen dabei ist, da kribbelt's schon mehr, als gewöhnlich.

Gab es bei einem Ihrer zahlreichen Auftritte ein Erlebnis mit dem Publikum, an das Sie sich besonders gern erinnern?

Es ist zwar nichts Außergewöhnliches, aber ich tanz' ja bei den Auftritten am Abend immer mit einer Dame aus dem Publikum. Das bleibt im Gedächtnis. Zudem gibt es auch immer wieder Fans, die zum zehnten oder zwanzigsten Mal nach dem Konzert zu uns kommen und immer wieder Fotos haben möchten. Das sind Sachen, wo man sich sagt: Das ist schon der Wahnsinn. (lacht)

Sie kommen aus Süddeutschland. Wie erleben Sie im Vergleich das Lausitzer Publikum?

Generell ist es im Osten viel emotionaler. Es sind noch mehr Leute im Saal und in der Halle. Ich glaube, dass die Volksmusik in den neuen Bundesländern viel mehr geschätzt wird. Es gibt aber auch einen klaren Unterschied: Die Gäste in Ostdeutschland gehören eher zum älteren Publikum. Im Süden oder auch in Hessen, wo wir oft auftreten, kommen mehr jüngere Leute. Unser Publikum sind dort eher 40-Jährige.

Sie sind seit Mai der Captain der Gruppe. Wie lange planen Sie, Captain zu bleiben?

Ich hoffe, bis zur Pension! (lacht)