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| 14:59 Uhr

Filmfestival
Doch wieder Persona grata: Cannes feiert Lars von Trier

Bruno Ganz v.l.), Lars von Trier und Matt Dillon bei der Premiere des Films „The House That Jack Built“ in Cannes.
Bruno Ganz v.l.), Lars von Trier und Matt Dillon bei der Premiere des Films „The House That Jack Built“ in Cannes. FOTO: dpa / Vianney Le Caer
Cannes. Von Aliki Nassoufis

Mit erhobenem Kopf betritt der dänische Regisseur Lars von Trier den Festivalpalast in Cannes. Er ist zurück, nach sieben Jahren der Verbannung. Die Gäste im Saal springen auf und begrüßen den 62-Jährigen mit minutenlangen Standing Ovations. Doch da ahnen sie noch nicht, was gleich auf sie zukommt: Von Triers neues Werk „The house that Jack built“ ist eine so schwarze Komödie über einen Serienmörder, dass einige Galagäste den Saal frühzeitig verlassen und andere am Ende noch in den Beifall der Menge hineinbuhen.

Von Trier, der 2011 nach Nazi-Äußerungen in Cannes zur Persona non grata erklärt worden war, ist deutlich gealtert. Seinem Film aber merkt man keinen Energieverlust an. Stattdessen zieht der Regisseur dort für die Zuschauer immer weiter die Daumenschrauben an.

Das Enfant terrible der europäischen Filmszene zeigt damit einmal mehr, dass es provozieren kann. Vor allem die explizite Gewalt gegen Frauen wird an diesem außer Konkurrenz gezeigten Cannes-Beitrag sicher wieder heftig kritisiert werden. Doch wie auch in seinen früheren Werken versieht der 62-Jährige sein Werk mit einer philosophischen und gesellschaftskritischen Ebene: Aus dem Off unterhält sich Jack (Matt Dillon) mit der Stimme von Bruno Ganz und sinniert über Familie, Kunst, das Tierreich, das Wegschauen der Menschen.

Geradezu frenetischen Applaus und Standing Ovations gab es auch für Spike Lee. Der US-Amerikaner stellte im Wettbewerb „BlacKkKlansman“ vor – die unglaubliche, aber wahre Geschichte eines schwarzen Polizisten, der Ende der 1970er-Jahre in Colorado eine Gruppe des Ku-Klux-Klans infiltrierte.

John Washington, der Sohn von Hollywoodstar Denzel Washington, verkörpert darin lässig diesen coolen und enigmatischen Cop. Der 61-jährige Spike Lee inszeniert „BlacKkKlansman“ gekonnt als überzeichnete, groteske Satire – wobei die Parallelen zur heutigen US-Politik erschreckend deutlich sind. Für viele Besucher ist es der bisher beste Film des Festivals. Es wäre die erste Goldene Palme für einen schwarzen Regisseur.

(dpa)