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Bühne frei zu Pfingsten am Senftenberger See

Pascal von Wroblewsky ist am Pfingstsonnabend im Amphitheater am Senftenberger See zu erleben.
Pascal von Wroblewsky ist am Pfingstsonnabend im Amphitheater am Senftenberger See zu erleben. FOTO: Peter Papritz
Senftenberg. Mit einem Mix aus Love-Story, hochkarätiger handgemachter Musik und Kuscheltieren startet die Neue Bühne Senftenberg am Pfingstwochenende am Senftenberger See in die neue Saison. Seit zehn Jahren betreibt sie das vor 16 Jahren errichtete Amphitheater im Ortsteil Großkoschen als Sommerspielstätte und bietet bis in den September hinein mit 65 Veranstaltungen abwechslungsreiches Sommertheater. Heidrun Seidel / hsd1

Für Pascal von Wroblewsky wird der Abend des 3. Juni eine Premiere. Die international bekannte Jazz ikone tritt zum ersten Mal im Amphitheater am Senftenberger See auf. Und auch die Konstellation ist neu: Im "Triple Step" genannten Programm sind neben der Frau mit der faszinierenden Vieroktavenstimme die Dresdner Bigband um Bandleader Michael Winkler und der Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich zu hören. Was sich dort also zwischen modernem Jazz, Dixieland, klassischer Musik und traditionellen Bigband-Titeln entspinnt, dürfte für die Freunde guter handgemachter Musik interessant sein. Pascal von Wroblewsky jedenfalls freut sich darauf.

Mit dem Dresdner Posaunisten Michael Winkler arbeitet sie seit vier Jahren zusammen. So touren die Musiker - mit dabei auch noch der Pianist Reimar Henschke - beispielsweise mit ihrem Programm "Bach on the beach" und gehen den Weg durch die Moderne und stellen sich vor, wohin Bachs Weg im 21. Jahrhundert hätte führen können. "Micha ist auch der Initiator des Triple Step in Senftenberg", erzählt die Sängerin, die schon seit vielen Jahren zu den vielseitigsten Jazzsängerinnen gehört und das Bild des deutschen Jazz in unterschiedlichsten Besetzungen prägt - sowohl mit ihrer eigenen Band als auch mit großen Orchestern wie der Bigband des Hessischen Rundfunks, den Orchestern der Komischen Oper und der Staatsoper Berlin, dem Philharmonischen Jazzorchester Dresden oder dem Babelsberg Filmorchester. Im vorigen Jahr habe die waschechte Berlinerin nun erstmals mit der Bigband in Dresden gespielt - und das habe viel Spaß gemacht. Die Bigband sei ein gemischtes Ensemble aus jungen und älteren Musikern, die - ohne eine Berufsband zu sein - mit viel Leidenschaft und Freude spielen und wissen, dass viel Professionelles verlangt wird. Sie erwachse einer Kooperation mit dem Sächsischen Landesgymnasium für Musik in Dresden.

Die Band versteht sich als "eine junge, coole Band die ihr Hauptaugenmerk zukünftig auf eigene Musik (eigene Kompositionen und Arrangements) und damit auch auf einen eigenen Sound legt, ohne allerdings die traditionelle Bigband-Musik außen vor zu lassen. Eine Mischung also aus Swing, Funk, Soul Latin, Hip Hop und . . . was uns gerade so über‘n Weg läuft", macht sie auf ihrer Homepage neugierig.

Ebenso Pascal von Wroblewsky, bei der sich die Zuschauer sicher sein können, dass sie mit ungewöhnlichen Arrangements überraschen wird. Ob das ihre Interpretation des Deep-Purple-Songs "Smoke on the Water" oder der Klassiker "Summertime" sein wird. Die Leidenschaft der Künstlerin ergreift meist mit den ersten Tönen das Publikum. Mit dieser Leidenschaft macht sie nicht nur seit ihrem 15. Lebensjahr öffentlich Musik. Sie unterrichtet auch an der Leipziger Musikhochschule "Felix Mendelssohn-Bartholdy" Jazzgesang und setzt sich für die Förderung des Genres Jazz ein. "Ich erlebe dort junge Leute, die sich sehr interessiert und engagiert reinknien und die es verdienen, gefördert zu werden." Leider habe der Jazz nicht die gleichen Chancen wie klassische Musik, obwohl sehr hohes Niveau erreicht werde, bedauert die Künstlerin. Die großen Marken interessieren sich aber nicht so sehr für diese Musikrichtung, die für manche ein Nischendasein friste. "Aber vielleicht ändert sich das ja gerade", hofft sie. Dass beim Eurovision Song Contest 2017 "Amar pelos dois" mit Salvador Sobral und damit ein chanconartiger Jazz-Walzer gewonnen hat, macht ihr Mut. Damit würden sich die Zuschauer wieder auf das Wesentliche, die Musik, besinnen - weg von der Show.

In mehreren Genres zu Hause ist Gunther Emmerlich. 20 Jahre lang war der Opernsänger an der Semperoper engagiert. Bekannt ist der Mann mit dem kräftigen Bass aber auch aus vielen Fernsehshows. Schon zu DDR-Zeiten servierte er die "Showkolade", präsentierte sich als Entertainer und überraschte mit Swing und Dixieland.

Bevor sich der Triple Step durch das Großkoschener Rundtheater dreht, setzt die neue Bühne im 70. Geburtstagsjahr auf die ungebrochene Feierlust der Zuschauergemeinde.

Mit "Die Fete endet nie!" hat der organisatorische Leiter des Amphitheaters Andreas Stanicki für zwei Abende ein Stück des Dresdner Boulevardtheaters engagiert, das mit Herzschmerz, Lachen, Liebe und mitreißenden Sounds der 80er-Jahre eine Party verspricht, die unter die Haut geht, als "Kultige Love-Story in bester Musical-Manier" gefeiert wird und hoffentlich den kleinen Wermutstropfen vergessen lässt, dass ausgerechnet im zehnten Jahr des Amphitheaters in Verantwortung der Neuen Bühne nicht mit einer eigenen Theaterproduktion in den Sommer gestartet werden kann. Der Grund: Der Autor der geplanten Fortsetzung von MS Madagaskar (Premiere 2015) war erkrankt. Die im Vorjahr gefeierte "Ladies Night" der Neuen Bühne - eine Geschichte arbeitsloser Männer, die ihre Würde beim Strippen wiederfinden - aber wird an sechs Abenden zu sehen sein.

Vor dem eigentlichen Eröffnungs-Pfingst-Wochenende kann bereits der Nachwuchs am 30. Mai - Dienstag um 11 Uhr - in die Saison starten. Das Brandenburgische Staatsorchester (Frankfurt/Oder) lädt zum Kuscheltierkonzert ein und erzählt, wie es sich wohl anhören würde, wenn die Kuscheltiere zu reden und zu singen anfingen.

Diese Vorstellung übrigens ist eine von zweien im Sommertheater am See, die im Austausch mit anderen Brandenburger Theatern das Angebot bereichern sollen. Seit Jahresbeginn nämlich ist die Neue Bühne Senftenberg Mitglied im Brandenburger Theater- und Konzertverbund. Als nächste kommen die Uckermärkischen Bühnen Schwedt mit sieben Lausbubenstreichen von Max und Moritz an den See - am 18. Juni.