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Bücher und Buchläden sind wieder "in"

Heinrich Riethmüller ist Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er betreibt eine Buchhandlung in Tübingen.
Heinrich Riethmüller ist Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er betreibt eine Buchhandlung in Tübingen. FOTO: dpa
Nach Jahren der Krise sieht sich der klassische Buchhandel in Deutschland im Aufwind. Bücher und Buchläden sind wieder "in". Warum, verrät der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, im Interview.

Vor einem Jahr hat der Börsenverein auf der Leipziger Buchmesse die Kampagne "Vorsicht Buch" gestartet. Was hat sie gebracht?
Wir sind sehr zufrieden, weil unser Ziel, den stationären Buchhandel damit zu stärken, aufgegangen ist. Wir haben eine gute Resonanz. Insgesamt ist noch nie so viel über das Buch berichtet worden wie im vergangenen Jahr, und das führen wir auch auf diese Buchkampagne zurück.

Ziel war ja auch, "leseferne" Leute zu erreichen. Kann man das mit so einer Kampagne schaffen?
Menschen, die gar nicht lesen, kann man wohl auch mit so einer Kampagne nicht erreichen. Uns ging es allerdings nicht darum, die Vielleser zu aktivieren, die sowieso in unsere Buchhandlungen kommen, sondern vor allem buchfernere Menschen. Und das ist uns gut gelungen.

Wie lange wird die Kampagne noch weiterlaufen?
Sie ist insgesamt auf drei Jahre angelegt. Bei der Buchmesse in Leipzig wird das zweite Jahr eingeläutet. Das Buchschenken soll mehr in den Vordergrund rücken. Worauf wir im stationären Buchhandel sehr stark setzen, sind Ideen zum Welttag des Buches, auch auf eine Aktion für Kinder, bei der man in den Buchhandlungen ein Stickeralbum bekommen kann, in das man seine Lieblingsbuchhelden einkleben kann.

Wie schätzen Sie die Lage im deutschen Buchmarkt ein?
Wir haben 2013 ein gutes Jahr hinter uns gebracht. Nachdem sechs, sieben Jahre lang der stationäre Buchhandel - mit einer positiven Unterbrechung - um 0,5 bis knapp vier Prozent weniger Umsatz gemacht hat, gab es 2013 wieder eine Stabilisierung. Der Jahresbeginn liegt ebenfalls im Plus. Der stationäre Buchhandel hat sich gefangen und stabilisiert. Offensichtlich schätzen die Leute doch wieder ein überschaubares, gutes Sortiment, gute Beratung und ein gutes Angebot sehr hoch ein.

Geht das Umsatzplus zulasten des Internets?
Nach ersten Schätzungen war der Internetbuchhandel insgesamt im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Das hängt sicher auch mit der Diskussion über Amazon zusammen. Buchkäufer sind vielleicht doch etwas kritischer und überlegen sich: Wo kriege ich meine Bücher her? Wenn man eine sympathische Buchhandlung in der Nähe hat, geht man dort dann vielleicht doch eher hin.

Eine Zeit lang waren E-Books das Trendthema, auch auf der Leipziger Buchmesse. Wie hat sich das Geschäft entwickelt?
Natürlich nimmt das E-Book enorm Fahrt auf, aber wirtschaftlich gesehen dümpelt es im Buchhandel bei drei bis vier Prozent. Man kann davon ausgehen, dass der Anteil steigen wird.

Mit Heinrich Riethmüller sprach Birgit Zimmermann, dpa