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| 17:56 Uhr

Branitz
Ein Symbol von Macht und Überdauern

Das Sammler-Ehepaar Reglinde und Eckart Kindel, 2016
Das Sammler-Ehepaar Reglinde und Eckart Kindel, 2016 FOTO: Beate Gohrenz / Stiftung Fürst-Pückler-Museum Pa
Branitz. Im Marstall des Branitzer Parks ist ab heute in einer neuen Sonderausstellung alles über die „Faszination Pyramiden“ zu erfahren. Von Renate Marschall

„Faszination Pyramiden. Branitz und die Sammlung Kindel“ heißt die neue Sonderausstellung, die heute um 15 Uhr im Marstall des Branitzer Parks eröffnet wird. Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen der Stiftung Fürst Pückler Museum Park und Schloss Branitz sowie der BTU Cottbus-Senftenberg mit den Kuratorinnen Susanne Harder vom Institut for Heritage Management und Beate Gohrenz von der Pückler-Stiftung.

Wie der Name schon sagt, dreht sich alles um die Pyramide – als Status- und Machtsymbol genau so wie als Kunstobjekt. Zahlreiche Bilddokumente, darunter eine sehr frühe Fotografie von Carl von Wieland aus dem Jahr 1869, die Branitz mit der Cottbuser Stadtsilhouette, die Fürst Pückler in seiner landschaftsgestalterischen Tätigkeit immer im Blick hatte, zeigt.

Die Ausstellung allerdings geht viel weiter zurück. Denn noch lange bevor der Grüne Fürst seine See- und Landpyramide 1853 bzw. 1863 errichten ließ, hatte Pyramiden ihren Siegeszug in europäische Landschaftsgärten angetreten. Abbilder der eindrucksvollen Pharaonengräber von Gizeh, könnte man meinen. Simone Neuhäuser, Kustodin der Stiftung Park und Schloss Branitz, enttäuscht diese Erwartung: „Als Vorbild diente in den meisten Fällen die Cestius-Pyramide an der Porta Ostiensis in Rom, Grabmal des Prätors und Volkstribuns Caius Cestius, erbaut im 2. Jahrzehnt v. Chr.“ Wie vielfältig sie sich präsentierten oder präsentieren, zeigt die Ausstellung.

Texttafeln an den Wänden liefern zahlreiche Informationen, versuchen die „Faszination der Menschen seit der Antike für die Ägyptischen Pyramiden als Symbol von Macht, Kontinuität und Überdauern“, wie es in einem der Texte heißt, nachzuvollziehen. Zahlreiche Beispiele finden sich vor allem in der Renaissance mit ihrer Rückbesinnung auf die Antike. Immer wieder tauchen Pyramiden im Zusammenhang mit Erinnerungsorten auf, nicht selten in Kirchen, wie das 1798 entworfene Mausoleum für die Erzherzogin Maria Christina von Sachsen-Teschen in der Augustinerkirche in Wien zeigt. Eine scheinbar begehbare Grabpyramide.

Zu erfahren ist in der Ausstellung auch, was den Freimaurern Pyramiden waren. Und was Follies sind – Pyramiden-Narreteien in englischen und französischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts. Tatsächlich nur Narreteien? In den meisten Fällen erfüllten sie sehr wohl einen Zweck, konnten Blickfang in der Landschaft, Rückzugsort oder Aussichtspunkt sein. Beispiele dafür sind in Rousham Garden in Oxfordshire oder Parc Monceau in Paris zu finden. Zur gleichen Zeit schwappte das Pyramidenfieber auch nach Deutschland über. Indem man sich Kopien bekannter antiker Sehenswürdigkeiten in den Garten holte, stellte man seine Weltläufigkeit zur Schau wie etwa im Landschaftsgarten von Hohenheim bei Stuttgart.

Eine besondere Bedeutung kommt der Pyramide als Grabmal zu. Ab den 1770er-Jahren sind solche Monumente immer häufiger anzutreffen, ein sehr frühes im Garten Bergendahl bei Kleve, im Garten von Schloss Baum bei Bückeburg (Niedersachsen) oder auch im sächsischen Machern. Letzteres ließ der Graf von Lindenau mit einer Familiengruft unterhalb der Pyramide und einem Veranstaltungsraum darüber errichten. So konnten die Ahnen bei Familienfesten immer dabei sein. Bis zu Pücklers Pyramiden gibt es eine lange Kulturgeschichte und doch sind sie besonders. Pückler war der Erste, der nicht mauern ließ, sondern Erde aufschütten. „Weil es das Bleibendste ist, was es gibt“, wie er selbst sagt.

Vor allem beeindruckend an der Ausstellung ist die Sammlung Kindel. Was das Berliner Ehepaar an historischen, künstlerisch wertvollen, witzigen, mitunter spirituellen Pyramidendarstellungen im Laufe von Jahrzehnten zusammengetragen hat, ist wohl einzigartig. Dabei ist Eckart Kindels Interesse für den Orient nicht ganz zufällig. Sein Urgroßvater war als Ingenieur am Bau des Suezkanals beteiligt, sein Großvater Hotelier in Khartum (Sudan). So gibt es frühe Familienfotos etwa vor den Pyramiden von Gizeh. Fasziniert von der geometrischen Form erwarben die Kindels bald auch Grafiken, Gemälde, Drucke und Skulpturen, die frühesten Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert. Künstler wie Jacob Wilhelm Mechau, Keith Haring oder A. R. Penck sind mit ihren Arbeiten vertreten. Eine großartige Sammlung, die als großzügige Schenkung im vergangenen Jahr in die Bestände der Stiftung übergegangen ist. Sie wird zum ersten Mal gezeigt und ist gerade im Kontext mit der Pyramiden-Historie so interessant wie sehenswert.