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| 18:24 Uhr

Branitz empfängt die Königin

Kuratorin Simone Neuhäuser mit einem Augusta-Porträt aus dem Jahre 1846.
Kuratorin Simone Neuhäuser mit einem Augusta-Porträt aus dem Jahre 1846. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus-Branitz. Lange ließ Augusta auf sich warten. Heute wird auf Schloss Branitz eine Sonderausstellung eröffnet, die dem Besuch der Königin von Preußen gewidmet ist. Ab morgen präsentiert sie sich der Öffentlichkeit. Ida Kretzschmar

Fürst Pückler hatte sie seit Jahren sehnsuchtsvoll erwartet. Dann kam sie endlich, aber nur für ein paar Stunden. Das Schlafzimmer, das extra für sie königlich hergerichtet wurde, blieb unberührt. Am 25. Juli 1864 traf Königin Augusta von Preußen (1811-1890) nach einer stundenlangen strapaziösen Anreise von Babelsberg mit Zug und Kutsche auf dem Alterssitz des exzentrischen Gartenkünstlers ein.

An diesem Tag, so verkündete damals der "Cottbuser Anzeiger", war der Park für die Öffentlichkeit geschlossen, erzählt Gert Streidt, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Auch die Stiftung habe sich in Erwartung der Augusta gewidmeten Sonderausstellung lange vorbereitet, betont er. Seit zwei Jahren zeigen sich nach kunstvoller Restaurierung, unterstützt von der Sparkasse Spree-Neiße und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, drei Salons empfangsbereit für die Königin.

Nun ist im Speisezimmer sogar die Festtafel gedeckt: Weingelee und Ananas, Bonbons, selbst ein Pferd aus Eiscrème locken verführerisch. Pücklers Tafelbücher dokumentieren genau, was zu Ehren der Königin und späteren Kaiserin gegessen wurde, erzählt Kuratorin Simone Neuhäuser.

Schon einen Tag nach dem Besuch in Branitz berichtet Augusta in einem Brief an ihren Gatten Wilhelm I: "Wir hatten das beste Diner, dessen ich mich seit langem erinnern kann", so lässt es sich in den Ausstellungsräumen in der oberen Schlossetage nachlesen. Und auch von der glücklichen Hand des Gartengestalters, "den genialen Ausschmückungen", war sie so entzückt, dass sie einer Laube den Namen Augustalaube zu geben befahl und eine Wiese durch sie zur Königinwiese umgetauft wurde. Blickt man vom Schloss Richtung Parkschmiede, kann man sie noch heute sehen, verrät die Kuratorin.

Die Korrespondenz zwischen Pückler und Augusta leitet die Ausstellungsbesucher durch mehrere Räume. Schon 1826 traf der Fürst die damals 14-jährige Prinzessin in Weimar, wo sie an einem der liberalsten Höfe Deutschlands aufwuchs, zu Eigenständigkeit erzogen wurde und eine umfassende Ausbildung erhielt. Und so fühlte sie sich, als sie 1829 ihrem Mann Wilhelm nach Berlin folgte, dort wie im Fegefeuer. Zu Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) aber entwickelte sich ein fast freundschaftliches Verhältnis, unterstreicht Simone Neuhäuser, das vom Besuch in Branitz gekrönt wird. Sie sei "ganz entzückt von der liebenswürdigen Gastfreundschaft des alten Herrn", schreibt Augusta an ihren Gemahl.

Mit dem "alten Herrn" - der Fürst war 78, die Königin 53 - verband Augusta eine lange Bekanntschaft. Das belegen auch viele der 60 Briefe, die der Ausstellung dienen, wie die Kuratorin berichtet. Königin und Fürst tauschten sich zwar gern über Gartenkunst aus, für Augusta war es offenbar aber noch wichtiger, mit Pückler ihre Bewunderung für England als ein fortschrittliches Königreich zu teilen, so Neuhäuser. Darüber wie über Hintergrund, Verlauf und Nachklang ihres Besuches gibt die Branitzer Schau Auskunft.

Zu den Ausstellungsobjekten gehören Gemälde, Lithografien und ein Stehschreibpult aus Muskau, auf dem Pücklers berühmte "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" entstanden sind.

Im Mittelpunkt steht natürlich Augusta und ihre starke Persönlichkeit. "Die Prinzessin, Königin und spätere Kaiserin war ein kluger, politisch denkender Mensch", betont Neuhäuser. Wobei es in der Branitzer Ausstellung nicht nur um Politik und Parkanlagen geht. Auch Papageien hatten wohl ihren Schnabel im Spiel, dass der Grüne Fürst nach dem Besuch der Monarchin in sein Tagebuch schreiben konnte: "die Königin selbst sah ich nie froher und zufriedener. . ."

Zum Thema:
Die Sonderausstellung "Augusta von Preußen. Die Königin zu Gast in Branitz" ist von morgen an bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Die Schau im Schloss Branitz ist eine Korrespondenzausstellung zur Ausstellung "Pückler.Babelsberg - Der grüne Fürst und die Kaiserin", die derzeit in Schloss Babelsberg in Potsdam zu sehen ist. Pückler hatte den dortigen Schlosspark gestaltet, Augusta hatte ihm den Auftrag dazu gegeben. Das Schloss war für den preußischen Prinzen und späteren Kaiser Wilhelm I. und seine Gattin gebaut worden.