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| 17:51 Uhr

Potsdam
Mit 15 Filmen bei der Berlinale

Großer Andrang auf die Berlinale-Tickets.
Großer Andrang auf die Berlinale-Tickets. FOTO: Britta Pedersen / dpa
Potsdam. Brandenburgs Filmindustrie hat sich etabliert – doch Konkurrenz aus Ungarn und Tschechien lässt erste Produktionen abwandern. Von Benjamin Lassiwe

Die Schulklasse in Storkow wollte ein Zeichen setzen. Zu Beginn einer Geschichtsstunde verabredete man sich zum Schweigen. Für eine Minute. 20 Schüler aus Storkow wollten so ihre Solidarität mit den Ungarischen Aufständischen ausdrücken, 1956 in der DDR. Weil die Neuntklässler dichthielten und den SED-Funktionären bis hinauf zum Bildungsminister nicht die Namen der Anstifter verrieten, wurde die Klasse vom Abitur ausgeschlossen. 16 der 19 Schüler flohen später in die Bundesrepublik und legten dort 1958 ihre Abiturprüfung ab.

Die Geschichte der Jugendlichen aus Storkow ist unter dem Titel „Das schweigende Klassenzimmer“ demnächst auf der Kinoleinwand zu sehen. Während der diesjährigen 68. Berlinale läuft der überwiegend in Eisenhüttenstadt gedrehte Film in der Rubrik „Berlinale Special“. Insgesamt sind 15 vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Filme während des früher auch als „Filmfestspiele“ bekannten Festivals zu sehen, berichtete Medienboard-Direktorin Kirsten Niehuus am Montag in Potsdam. „Isle of Dogs“, „In den Gängen“ und „Transit“ laufen dabei sogar im Wettbewerb um den „Goldenen Bären“. „Filme made in Brandenburg sind mittlerweile eine Marke von Weltruf, nicht nur für Kinokunst, sondern auch für spannende Serien“, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD).

Das Medienboard habe im letzten Jahr 26,5 Millionen Euro Filmförderung und fünf Millionen Euro für die Förderung von Standortprojekten erhalten. Und sogar der Tourismus profitiere davon, dass Menschen auf der Suche nach den Drehorten ihrer Lieblingsfilme den Weg nach Brandenburg fänden. Gestern indes machten Filmschaffende deutlich, dass Deutschland und auch Brandenburg bei der Filmförderung den Anschluss verlieren könnten: Länder wie Ungarn oder Tschechien würden die Produktionsgesellschaften oft weit großzügiger mit Steuermitteln ausstatten, als es in Deutschland der Fall sei. „Wir müssen ein konkurrenzfähiges Finanzierungs- und Fördermodell für Filme und Serien etablieren“, sagte Niehuus.

Der Direktor der Babelsberger Studios, Carl L. Woebcken, erklärte, man sei schon heute „bei einigen Projekten in der Schieflage, weil die Fördersicherheit nicht da ist, die größere Projekte brauchen.“ So werde die in Berlin spielende Serie „Berlin Station“ künftig nicht mehr in Babelsberg, sondern in Ungarn produziert.

„Wenn wir als Produktionsplattform schlecht ausgelastet sind, wenn unsere Studios leerstehen, dann betrifft das auch 1:1 alle Filmschaffenden in Berlin“, sagte Woebcken. „Wir sollten schon versuchen, den Produktionsstandort sicherzustellen.“ Man erlebe einen sich verschärfenden Standortwettbewerb in Europa. „Wir sind umzingelt von Nachbarstaaten, die bessere Rahmenbedingungen anbieten“, sagte Woebcken. „Um uns herum werden Fakten geschaffen, und unsere Regierung ist nicht in der Lage, darauf zu reagieren.“