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| 14:42 Uhr

Interview mit Hendrik Röder
Sieben auf einen Streich: Vorfreude auf eine literarische Nacht

Hendrik Röder vom Brandenburgischen Literaturbüro.
Hendrik Röder vom Brandenburgischen Literaturbüro. FOTO: Peter Walther
Cottbus. Das Brandenburgische Literaturbüro und die RUNDSCHAU laden am 29. Juni gemeinsam zu „Brandenburg liest“ nach Cottbus.

„Brandenburg liest“ heißt es am 29. Juni 2018 erstmals in Cottbus. Was sich dahinter verbirgt, verrät Hendrik Röder vom Brandenburgischen Literaturbüro, das gemeinsam mit der RUNDSCHAU zu dieser besonderen Literaturveranstaltung einlädt, im Interview.

Hendrik Röder, Sie haben schon Erfahrungen mit dieser Reihe in Potsdam. Was ist das Besondere daran?

Röder Das Besondere ist, dass sich viele unterschiedliche Autoren an einem langen Abend präsentieren, die ihren Lebensmittelpunkt im Land Brandenburg gefunden haben. Und nach jahrelanger Erfahrung in Potsdam präsentieren wir nun gemeinsam mit der RUNDSCHAU in Cottbus sieben Autoren auf einen Streich. Wir spüren in unserer Literaturlandschaft immer wieder ein Kommen und Gehen. Neue Autoren werden im Land Brandenburg sesshaft oder ziehen weiter. Reizvoll an dieser Reihe ist, eine gute Mischung zu finden zwischen bereits veröffentlichten Texten und gerade Entstehenden. So erhalten auch die Autoren die Chance, ihre frischen Manuskripte am Leser zu testen.

Wie kommt das bei den Lesern an?

Röder Bestens! In der Potsdamer Villa Quandt zeigte sich, dass es großen Bedarf gibt, einen langen Abend mit Literatur zu verbringen und sich zu informieren, was es Neues gibt. Gerade im Sommer, wo man draußen noch etwas essen und trinken kann, erfreut sich „Brandenburg liest“ großen Zuspruchs.

Wie lange geht denn so eine Literaturnacht gewöhnlich?

Röder Sie beginnt um 18 Uhr und endet gegen Mitternacht. Das wird auch in Cottbus-Branitz so sein. Aber natürlich kann das Publikum wählen, welche Autoren es unbedingt erleben will. Es lohnt sich auf jeden Fall, bis zum Schluss durchzuhalten.

Auf welche Gäste können wir denn in Cottbus gespannt sein?

Röder Rainald Grebe wird wahrscheinlich am meisten umlagert sein. Er ist ja vor allem als Liedermacher bekannt geworden. Zurzeit aber beschäftigt er sich mit Fontane. Das hat natürlich mit dem Fontanejahr 2019 zu tun, in dem der 200. Geburtstag des berühmten brandenburgischen Schriftstellers gefeiert wird. Grebe wird gemeinsam mit der Schauspielerin Tilla Kratochwil aus Theodor und Emilie Fontanes Ehebriefen lesen, die in einer überarbeiteten Fassung von Gotthard Erler im Aufbau-Verlag erschienen sind. Das ist der Höhepunkt dieser Literaturnacht.

Was erwartet die Lausitzer außerdem in dieser langen Nacht der Literatur?

Röder Noch steht nicht alles bis ins Einzelne fest. Klar ist: Es sollen sieben auf einen Streich sein. Wir haben zum Beispiel auch eine junge Autorin aus Luckau im Blick, die dort eine Konditorlehre macht und nebenher stilsicher an einem Roman schreibt. Sie heißt Paula Amelie Carstensen.

Ein Name, den man sich schon mal merken kann. Welche bekannten Namen sind unter den Autoren?

Röder John von Düffel liest aus „Klassenbuch“. Der Dramaturg stellt ja alle zwei Jahre einen neuen Roman vor – und immer zuerst im Spreewald, in der Burger „Bleiche“. „Klassenbuch“ ist der gelungene Versuch, sich in die Schülerköpfe einer Abiturklasse hineinzuversetzen. Aus ihrer Perspektive denkt er über Gegenwart und Zukunft nach. Eine Gedankenwelt, die vielen Erwachsenen verborgen bleibt und Rätselraten verursacht. Der Roman versucht, eine Brücke zu schlagen – auf eine sehr charmante Weise. Eine weitere Autorin, die nach Cottbus kommen wird, ist Julia Schoch. Sie wird ihren neuen Roman vorstellen, der im Februar erscheint und auch im Schulmilieu spielt. Er trägt den Titel „Schöne Seelen und Komplizen“. Schoch ist ja für ihre sensible Erzählweise bekannt. Mit dabei ist auch Antje Strubel, die derzeit an einem neuen Roman arbeitet und daraus Auszüge lesen wird. Sie ist eine genaue Beobachterin, die nebenher auch zahlreiche brillante Übersetzungen aus dem Amerikanischen veröffentlicht hat, zuletzt Lucia Berlins „Was ich sonst noch verpasst habe“. Sven Stricker wird den Schlusspunkt setzen mit „Mensch Rüdiger!“ Seine Romane stellen die Tragik des Lebens auf komische Art dar. Ein hochbegabter Autor, der zwischen Fernsehen, Hörspiel und Literatur pendelt.

Gut, dass es zum Schluss noch etwas Humorvolles gibt, denn bei der „Begegnung mit einem Mörder“ gefriert einem bestimmt das Lachen.

Röder Nun, zumindest ist das eine außergewöhnliche, wahre Begegnung und kein Roman. Steffen Schröder, der ja vielen als Kommissar aus der Fernseh-Serie „Soko Leipzig“ bekannt ist, hat ein erstaunliches Buch geschrieben über einen Mörder, den er im Gefängnis kennengelernt hat. Über den „Verein für Straffälligenhilfe“ kam er auf die Idee, als Vollzugshelfer im Tegeler Gefängnis zu arbeiten. Schröder hat sich dieser schweren Aufgabe gestellt und traf so auf einen Mörder namens Micha. Wie dieser sich mit der Tat auseinandersetzt und Schröder zu seiner fast wichtigsten Bezugsperson wird, beschreibt Schröder mit einer beeindruckenden Ernsthaftigkeit.

Ist so ein Literaturmarathon nicht auch ein Wagnis?

Röder Natürlich, aber wir setzen auch darauf, dass der 29. Juni einer der wenigen spielfreien Tage während der Fußball-WM ist. Wir erhoffen uns dann, dass viele erschöpft oder wütend sind, und sich  einmal ablenken wollen und diesen schönen literarischen Abend genießen. Und wir haben natürlich große Unterstützer, die RUNDSCHAU und die Land-Brandenburg-Lotto GmbH, ohne die wir das Wagnis nicht eingegangen wären.

Keine Sorge, dass jemand müde wird?

Röder Wir wissen, dass es viel Neugier gibt. Und in den Lesepausen bietet sich, begleitet von Musik, immer wieder Gelegenheit, nach draußen zu gehen. Wir hoffen auf einen lauen schönen Sommerabend, an dem man auch mit den Autoren ins Gespräch kommen kann.

Was macht Sie so sicher, dass nicht nur Brandenburg, sondern auch die Lausitz liest?

Röder In der Lausitzer Lesart, auch eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der RUNDSCHAU, dem Schloss Lübbenau und dem Lernzentrum Cottbus, haben wir das treueste und anspruchsvollste Publikum, das man sich denken kann.

Mit Hendrik Röder
sprach Ida Kretzschmar

Karten zu 19 Euro (mit LR-Card 17 Euro) bei der RUNDSCHAU, Voranmeldung nötig unter der Telefonnummer: 0355 481555

Schauspieler, Musiker und Kabarettist Rainald Grebe wird sicher in der Lesenacht in Cottbus am meisten umlagert sein. Er liest aus Fontanes Ehebriefen.
Schauspieler, Musiker und Kabarettist Rainald Grebe wird sicher in der Lesenacht in Cottbus am meisten umlagert sein. Er liest aus Fontanes Ehebriefen. FOTO: Stephanie Pilick / dpa