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| 17:51 Uhr

Geburtstag
Vom „Struwwelpeter“ zum „Mephisto“ – Brandauer 75

Der Regisseur und Schauspieler Klaus Maria Brandauer.
Der Regisseur und Schauspieler Klaus Maria Brandauer. FOTO: dpa / Ursula Düren
Wien. (dpa/ik) Seine bekanntesten Filmrollen waren ihm zunächst gar nicht recht. Beim James-Bond-Streifen „Sag niemals nie“ (1983) war er entsetzt über das Angebot, den Bösewicht und Gegenspieler von Sean Connery spielen zu sollen. dpa

Er wollte in den USA damals eigentlich nur höchst anspruchsvolle Rollen annehmen, bekannte Klaus Maria Brandauer jüngst in einem ORF-Interview. Beim Liebesdrama „Jenseits von Afrika“ (1985) habe ihn seine Mutter gewarnt, den aus ihrer Sicht geschmacklosen Part des geschlechtskranken und notorisch untreuen Barons Bror von Blixen-Finecke zu übernehmen.

Beim Rückblick auf sein Leben aus Anlass seines heutigen 75. Geburtstags muss der österreichische Schauspieler aber einräumen: „Es waren keine Fehler. Allein den Bond-Streifen haben eine Milliarde Menschen gesehen.“ Für den schillernden Baron erhielt Brandauer einen Golden Globe. In mehr als 80 TV-Produktionen und Kinofilmen hat er mitgespielt.

Dabei war Brandauer über seine ganze Karriere hinweg wählerisch. Er habe viele Angebote abgelehnt, schon wenn ihm eine Winzigkeit nicht gepasst habe, bekannte er. Berüchtigt sind auch seine von Eitelkeit befeuerten cholerischen Ausbrüche. Als Regisseur der Neuinszenierung der „Dreigroschenoper“ im Berliner Admiralspalast warf er 2006 ein TV-Team hochkant aus der Probe, weil es wagte, einen Wunsch zu äußern. Die Inszenierung bekam schlechte Kritiken, das Stück war aber jedes Mal ausverkauft. „Über Brandauer heißt es, er sei beim Planen eines Projektes euphorisch, bei der Realisierung verunsichert und bei der Fertigstellung verzweifelt“, befand das Magazin „Stern“ nach dem Vorfall.

An dem Sohn eines deutschen Zollbeamten und einer für sein Leben sehr prägenden österreichischen Mutter scheiden sich die Geister. Er sei „eine Mischung aus Arroganz und Souveränität, aus aalglatter narzisstisch unterfütterter Unverschämtheit und nonchalantem, aus Disziplin, Können, Erfolg gewachsenem Selbstbewusstsein“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vor einigen Jahren. Die Bilanz spricht für Brandauer: Fast 40 Auszeichnungen für Leben und Werk hat er bekommen, darunter den „Bambi“, das Filmband in Gold, den Deutschen Schauspielerpreis, den Nestroy-Theaterpreis, die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien.

Seine künstlerischen Wurzeln reichen nach Deutschland. Als er mit seinen Eltern im badischen Grenzach wohnte, kam er in der Volksschule zu seiner ersten Rolle. Voller Inbrunst gab er den „Struwwelpeter“, der sich gegen die Erwachsenen wehrt, seine Fingernägel nicht schneiden und seine Haare nicht kämmen lässt. Beeindruckt vom spürbaren Talent habe der Schuldirektor erkannt: „Der wird mal ein Schauspieler“, erinnert sich Brandauer.

Sein schelmisch-diabolisches Grinsen, sein keck-frecher Blick und seine fast tänzerische Geschmeidigkeit wurden im Film einem Millionenpublikum vertraut. Die Rolle des Opportunisten Hendrik Höfgen alias Gustav Gründgens in „Mephisto“ (1982) bedeutete den internationalen Durchbruch. „Mephisto“ bekam als bester ausländischer Film einen Oscar.