Aber was ist heute schon noch mystisch im Musikgeschäft„ Nichts, wie man auch am Mittwochabend in Berlin bestätigt bekam, wo die Gegenwart des HipHop zu sehen war. In der halbvollen Max-Schmeling-Halle gastierten zwei Superstars der Szene im Doppelpack: P. Diddy, vormals Puff Daddy, und Snoop Dogg. Letzterer war zwar vor wenigen Tagen in Stockholm wegen Drogenbesitzes verhaftet worden, schaffte es aber rechtzeitig zum Auftritt. Insofern eine schöne Sache, als der Mann seinem Image als coolster Rapper des Planeten Genüge tat. Coolness ist im HipHop die wichtigste Kategorie, die von schwarzen Rappern vorzugsweise mit Texten über geile Luder, geile Karossen und Keilereien ausgefüll t wird.
Stilecht ist auch, dass die 4000 Zuschauer reichlich Werbespots für Parfüm aus dem Hause P. Diddy über sich ergehen lassen mussten, ehe der singende Unternehmer im Glitzer-T-Shirt aus der eigenen Kollektion selbst erschien. Die Band füllte die Halle satt mit fetten Beats und die wippenden jungen Zuhörer bekamen zuzüglich zu P. Diddys Hits wie "Come With Me" (ba sierend auf Zeppelins "Kashmir") einen Schnelldurchlauf der Musikgeschichte, von Suzi Quatro bis Coldplay wurde alles adaptiert. Während P. Diddy als cleverster Pop-Verwerter auftrat, bestach Snoop Dogg durch größtmögliche Lässigkeit, die sein Böse-Böse-Image praktisch konterkarierte. Allein das Outfit - eine Art Strampler aus Omas Bettbezug - war eine Offenbarung. Seine Songs wie "That's That" für die Fans sowieso. Auch die Protagonisten verstanden sich gut, als sie zusammen auf der Bühne erschienen.
Am Ende der bunten Hüpfeshow war sogar die inoffiziell wichtigste Frage des Abends entschieden: Wer ist der coolste Typ“ Snoop Dogg.