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Blut: Vorspiel mit Blech-Typen

Die Nornen verkünden in der Ouvertüre der Theaternacht das Schicksal und erzählen, wie Siegfried im Drachenblut badete.
Die Nornen verkünden in der Ouvertüre der Theaternacht das Schicksal und erzählen, wie Siegfried im Drachenblut badete. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Es fängt relativ harmlos an. Im von Regisseur Jan Mixsa inszenierten ersten Teil haben die Zuschauer noch so manches zu lachen. Heidrun Seidel

(hsd1) Der Figurenspieler und in Senftenberg bereits aus früheren Aufführungen ("Lost and Found") bekannte Regisseur Jan Mixsa lässt die aus der nordischen Mythologie stammenden Schicksalsverkünder, die Nornen, auf amüsante Weise erzählen, wie aus dem etwas hyperaktiven und ungestümen Kind Siegfried der Drachentöter Siegfried wird.

Er war, nachdem er beim Schmied Mime in die Lehre gegangen war, selbst diesem angesichts der ungezähmten Kräfte und des selbstgefälligen Größenwahns unheimlich geworden und in der Hoffnung auf Niederlage in den Kampf mit dem Drachen geschickt worden. Dafür hat Mixsa die Darsteller mit ungewöhnlichen blechernen Kostümen aus Topfdeckeln als Schilde, Trichtern als Kopfbedeckungen, Kuchenformen als Brüste oder Schneebesen als Siegfried-Locken ausgestattet - und damit sicher auch manchen Zuschauer ob des für ein Nationalepos verspielten und surrealen Kostümbildes irritiert oder gewollt zweifeln lassen: Solche Typen sollen unser Schicksal bestimmen?

Anna Schönberg, Dietmar Voigt, vor allem aber Patrick Gees haben die Kostüme jedenfalls körperliche Höchstleistungen abverlangt. Der Senftenberger Neuzugang zeigt wahrhaft artistisches Können, wenn er als Norne-Siegfried-Darsteller auf 35 Zentimeter hohen Plateauschuhen mit dem aus Zinkwannen und Isolierschläuchen gebauten scharfzähnigen Drachen zu kämpfen hat. Dass dieser Kampf mit einem operettenhaften Cancan musikalisch unterlegt ist, macht etwas von der Absurdität des sagenhaften Gemetzels, das im Laufe des Abends daraus erwächst, deutlich. Und obwohl Jan Mixsa alle Beteiligten immer wieder beteuern lässt, "fern liegt uns zu belehren, weil wir sonst Moralisten wären", ebnet er mit der von ihm verfassten und hier uraufgeführten Ouvertüre zum Nibelungenabend das Verständnis für den Stoff und deckt seine Aktualität auf: "So war es damals, so ist‘s heute, nur die Spielzeuge sahen anders aus". So entlässt er die Zuschauer in die erste Pause mit der Hoffnung, dass der Mensch nicht vor dem angeblichen Schicksal resignieren, sondern es selbst in die Hand nehmen möge.

Gesamteindruck zum Spektakel: Das Versprechen ist eingelöst. In einem Spektakel der Emotionen hat die Premiere die Zuschauer sowohl Liebe und Sehnsucht mitfühlen lassen als ihnen auch angesichts blutiger Rache Schauer den Rücken hinunter gejagt.