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| 17:17 Uhr

Der aktuelle Kinotipp
Bildgewaltig: „Der Hauptmann“

Szene mit Frederick Lau, Max Hubacher und Milan Peschel im Film „Der Hauptmann“
Szene mit Frederick Lau, Max Hubacher und Milan Peschel im Film „Der Hauptmann“ FOTO: - / dpa
Von Lisa Forster. Die unglaubliche Geschichte eines Nazi-Hochstaplers ist jetzt auf der Leinwand zu verfolgen. dpa

April 1945, es ist Nacht irgendwo in Deutschland, und im „Hotel Oranien“ herrscht der Exzess. Ein deutscher Hauptmann und seine Leibgarde feiern mit Prostituierten ein wildes Gelage. Arme, Beine, Weingläser, Federboas wirbeln durcheinander. Was die Anwesenden nicht wissen: Zum Feiern ist ihnen bald nicht mehr zumute. Was die meisten auch nicht ahnen: Ihr Hauptmann ist gar kein Hauptmann – sondern ein Hochstapler. „Der Hauptmann“ von Regisseur Robert Schwentke basiert auf der Geschichte von Willi Herold, der von 1925 bis 1946 lebte und schließlich von den Alliierten wegen seiner Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt wurde. Im Film findet der Gefreite Herold am Straßenrand kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs eine Hauptmanns-Uniform. Er probiert sie an und gibt sich von nun an als Offizier aus. Einige Soldaten schließen sich ihm an, froh, endlich wieder Befehle ausführen zu dürfen. Die Gruppe gelangt in ein Gefangenenlager im Emsland – und verübt dort schlimme Kriegsverbrechen.

Schwentkes Film ist ein spannendes, beklemmendes Werk. Nicht nur die unglaubliche Geschichte raubt einem den Atem. Der 24-jährige Max Hubacher spielt Herold mit einer eisigen Kälte. Ganz leichte Mienenzüge verraten, was in ihm vorgeht: Der Stolz, in Uniform plötzlich eine Bedeutung zu haben. Die Angst, als Offizier zum ersten Mal jemanden erschießen zu müssen. Die Ekstase, die das Morden irgendwann in ihm auslöst. Hubacher changiert dabei stets zwischen einer jugendlichen Unschuld und brutaler Härte.

Auch die anderen Rollen sind toll besetzt. Frederick Lau spielt den Soldaten Kipinski, dessen Brutalität keine Grenzen kennt. Völlig berauscht, fast animalisch macht ihn die Gewalt, die er unter Herolds Kommando ausüben kann. In den Augen des treuen Freytag (Milan Peschel) wiederum schimmert immer größere Panik, als er miterlebt, wie die „Kampfgruppe Herold“ völlig außer Kontrolle gerät.

Die Bildsprache des Schwarz-Weiß-Films ist gewaltig. Auf dem spanischen San Sebastián Film Festival, wo „Der Hauptmann“ vergangenes Jahr lief, wurde Kameramann Florian Ballhaus mit dem Jurypreis für die Beste Kamera ausgezeichnet. Er ist der Sohn von Michael Ballhaus, der mit seinen 360-Grad-Kamerafahrten, dem „Ballhaus-Kreisel“, in Filmen von Rainer Werner Fassbinder Berühmtheit erlangte. Auch im „Hauptmann“ wirbelt die Kamera dynamisch um ihre Akteure.

Der Hauptmann, Deutschland/Frankreich/Polen 2017, 119 Min., FSK ab 16