Detlef Hecht hat sich zwei Profis an die Seite geholt, um jene Bilder gekonnt in Szene zu setzen, die Besucher ab Freitag (14 Uhr) im IBA-Studierhaus in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) betrachten können. Der Cottbuser Thomas Kläber und Jürgen Matschie aus Bautzen tauschen mit ihm schon aufgefangene Bilder aus, um zugleich darüber zu fachsimpeln. "Ester Havlova hat uns überrascht", räumt Matschie ein. Die Tschechin fotografiert sonst Hotels überall auf der Welt. In der Lausitz habe sie sich aber nicht der Cottbuser Uni-Bibliothek oder dem Dieselkraftwerk gewidmet. Matschie ist von ihren Blickwinkeln von der Victoria-Höhe, der Förderbrücke F 60 und den IBA-Terrassen beeindruckt. "Sie ist aber der Architektur treu geblieben", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Thomas Kläber wird von Uwe Jacobshagen von der Hochschule Anhalt in Dessau für seine "wunderbaren Triptychen, die von einem großen Gefühl für seine Heimat Zeugnis ablegen", gelobt. Der Cottbuser wiederum spielt den Ball an Roberta Valerio weiter, die international für ihre Porträtfotos von sozialen Brennpunkten bekannt ist. Sie überrascht in Großräschen mit "weiten Horizonten".

Den Besucher erwarten die Arbeiten von elf Fotografen aus Italien, Tschechien, Frankreich, der Slowakei, Polen und Deutschland, die zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit der Lausitz nach dem Braunkohlebergbau wiedergekommen sind - und Mitte September fotografiert haben. Eine Woche lang, überall im Lausitzer Seenland. "Wir wollten aber keine Vorher-Nachher-Situationen, sondern Interpretationen des heutigen Zustandes", sagt Uwe Jacobshagen. Und der Devise des Mentors des Workshops sind die Fotografen dann auch gefolgt und haben Arbeiten vorgelegt, die schon beim ersten Hinschauen beeindrucken.

Für das IBA-Studierhaus am Rande des Großräschener Sees ist die Schau fast punktgenau der Abschluss der zweijährigen Liquidationsphase der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land. Denn zum Jahresende geht der Fundus an den Studierhaus-Verein über, Eigentümer des Gebäudes ist die Stadt Großräschen. Bis zum 30. März 2013 wird die Ausstellung "brennweite III" hier zu sehen sein. Dann wandert sie ins Schloss Hoyerswerda, zu den internationalen Fototagen nach Spilimbergo in Italien und ins Potsdamer Rathaus.

Schon bis zum Jahresende entsteht aus den Bildern vom Workshop im September 2012 ein Bildband, den der Mitteldeutsche Verlag zur Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2013 präsentieren wird. Auf mehr als 120 Seiten erscheint das neue Gesicht der Lausitz in Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien. Für den ehemaligen IBA-Chef Professor Rolf Kuhn ist das Buch ein weiterer Beitrag, um das Lausitzer Seenland auch international bekannt zu machen. Für das Projekt hat das Land Brandenburg einen höheren vierstelligen Betrag aus Lottomitteln zur Verfügung gestellt.

Für Detlef Hecht, der der IBA mit früheren "brennweite"-Fotoausstellungen in zwölf Städten Europas zu Bekanntheit verholfen hat, setzt die jüngste Schau die Krone auf: "Es war der künstlerische Austausch während der Workshops, der die Blickwinkel geschärft hat. Es sind beeindruckende Bilder vom Heute in dieser Region entstanden."

Und in zehn weiteren Jahren: "Da kommen wir wieder", sagen Thomas Kläber und Jürgen Matschie. Ihre Kollegen dürften ihnen folgen.

Bilder der Ausstellung lr-online.de/brennweite