Zwischen Francisco de Goyas 1810 bis 1814 entstandenen Radierungen "Die Schrecken des Krieges" und den Farbfotografien von Robin Hinsch, 2015 im syrischen Kobane aufgenommen, liegen zwei Weltkriege mit Millionen Toten sowie Hunderte kriegerische Auseinandersetzungen überall auf der Welt. Das Morden geht weiter. Gerade wird Aleppo - mit seine Altstadt Weltkulturerbe, ein kulturhistorisches Kleinod wie Dresden - dem Erdboden gleichgemacht, und in Deutschland läuft seitens der AfD der Versuch, nazistisches Gedankengut wieder salonfähig zu machen. Die Welt im Teufelskreis?

Kunst kann ihn nicht durchbrechen, wohl aber Position beziehen, "über ästhetische Formulierungen Fragen aufwerfen und in die gesellschaftliche Debatte bringen", sagt dkw-Direktorin Ulrike Kremeier. Diese Ausstellungen tun das eindrücklich.

Erschütternde Zeitzeugnisse

"Keiner hat uns gesagt, ihr geht in die Hölle" ist der Ausstellungskomplex überschrieben, der um 1947 entstandene Fotografien von Richard Peters sen. und Grafiken von Wilhelm Rudolf - erschütternde Zeitzeugnisse des zerstörten Dresden - mit gerade erst entstandenen Fotografien des verwüsteten Kobane von Robin Hinsch verbindet. Allesamt aus den Beständen des dkw.

Richard Peters Blick vom Dresdner Rathausturm nach Süden zeigt das ganze Ausmaß der Zerstörung in einer Stadt, die Kunst und Architektur über die Jahrhunderte zu einer der schönsten Europas werden ließ. Vernichtet in drei Tagen. Eine der Grafiken von Wilhelm Rudolph lenkt den Blick über die als solche kaum noch erkennbare Marschallstraße auf den Rathausturm, der wie ein mahnender Zeigefinder aus der Trümmerwüste ragt. Viele der Bilder sind Bleistiftzeichnungen. Erschüttert dokumentiert der Dresdner Maler, dessen Werke während der Nazizeit als entartete Kunst diffamiert wurden, die Zertrümmerung seiner Heimatstadt.

Und die Menschen? Auf Rudolphs Bildern sind sie höchstens mal als Schattengestalten zu erahnen. Man weiß bis heute nicht wie viele im Feuersturm über Dresden umgekommen sind, zwischen 22 700 und 25 000, - die Stadt war voller Flüchtlinge. Entvölkerte Ruinen prägen seine Arbeiten. Ansichten, die sich auch in den Fotografien von Richard Peter wiederfinden. Aber nicht nur. Er hält die Kamera in die bereits mumifizierten Gesichter der unter den Trümmern Vergrabenen. In das eines Luftschutzwarts, den Mund weit aufgerissen, nach Luft ringend in der allen Sauerstoff vernichtenden Feuersbrunst. Eine tote Mutter, den Kopf auf die Schulter gesunken, eingeschlossen im Kellerloch.

"Draußen vor der Tür"

Und die Überlebenden können das Grauen nicht fassen. Ein Kriegsheimkehrer sitzt noch im Wehrmachtsmantel auf einem Mauervorsprung, die Hände vors Gesicht geschlagen. Einer wie der Kriegsheimkehrer Beckmann aus Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der Tür", das gegenwärtig im Staatstheater Cottbus zu sehen ist und das mit einem Zitat titelgebend für diese Ausstellung war:"Keiner hat uns gesagt, ihr geht in die Hölle." Wie Beckmann nach Verantwortung fragt, zu verstehen versucht, scheint auch dieser Mann verzweifelt, verloren, entwurzelt in dieser Stadt, in der die einzige Hoffnung an den Ruinenwänden zu leben scheint. Suchanzeigen mit Kreide an die verkohlte Wand geschrieben: Mutter wir suchen dich, Ernst und Clara. Oder: Franz lebst du? Deine Eltern. Vielleicht hätte man einige der Inschriften erhalten sollen, damit Pegida-Anhänger immer mal einen Blick drauf werfen können.

Erschreckend, wie ähnlich sich die Bilder von 1946 und 2015 sind, auch wenn Robin Hinschs Bildsprache eine andere ist. Trümmer, so weit die Kamera reicht. Ein ausgebranntes Auto, Teppiche und Polster, die verdreckt aus dem Schutt ragen - Relikte einstigen Wohlstands. Der Fotograf zeigt die Menschen, die hier gelebt haben: zwei Halbwüchsige, einen Mann mit einem Kleinkind auf dem Arm. Mit ihrer farbigen Kleidung wirken sie wie Fremdkörper in dieser lebensfeindlichen Umgebung. Man kann verstehen, dass sie ein neues Zuhause suchen. Der Frieden ist einfach viel zu fern.