Was hat Sie bewogen, mit dem Komponisten Hannes Zerbe, einem Urgestein des ostdeutschen Jazz, und seinem Orchester eine Veranstaltung in Cottbus auf die Bühne zu bringen?
Ich kenne Hannes Zerbe seit 20 Jahren und schätze ihn sehr. Wir haben immer mal wieder etwas zusammen gemacht, in Berlin war ich 24 Jahre Freiberuflerin. So war ich in den 1990er-Jahren Gast in seiner "Blech Band", später in der zweiten Big Band "Prokopätz", mit der wir die "Hydra" von Heiner Müller aufgeführt haben. Für mich war das jeweils ein nachhaltiges Erlebnis. Das 2011 gegründete Jazz Orchester ist nun meiner Meinung nach die beste Big Band, die er je hatte und für die der Altmeister eigens neue Stücke komponiert hat. Da sind so tolle Musiker wie die Klarinettisten Gebhard Ullmann und Jürgen Kupke dabei.

Was erwartet die Zuschauer am Samstagabend im Großen Haus?
Der Abend beginnt mit dem Projekt "Unter anderem Ajax" von Heiner Müller. Der Text entstand 1994, ein Jahr vor seinem Tod. Der Text läuft unter oder über der Musik von Hannes Zerbe und dazu ein Video von Thomas Neumann, das sich mit dem Text in Bildern auseinandersetzt. Im zweiten Teil werden Kompositionen von Hannes Zerbe zu hören sein, die 2012 auf der CD "Eisleriana" eingespielt wurden. Grundlage sind musikalische Werke von Hanns Eisler, die unserer Zeit entsprechend von Zerbe weiterentwickelt wurden - mit wunderbaren Freiräumen für alle Solisten.

Ist das Projekt schon einmal auf die Bühne gekommen?
In der "Wabe" in Berlin war im Februar Premiere. Da haben wir allerdings nur den "Ajax" gemacht. Danach war ich der festen Überzeugung, dass das Projekt ins Theater gehört.

Welches Publikum wünschen Sie sich?
Ich hoffe, wir sprechen auch das Konzertpublikum an, das in die philharmonischen Konzerte kommt. Es ist eine Freude, wie die Musiker des Hannes Zerbe Jazz Orchesters musizieren - mit viel Witz und Können. Und es ist ein Programm für Leute, die sich inhaltlich mit der DDR auseinandersetzen. Heiner Müller wird nicht so leicht verstanden, aber im Paket mit Musik und Bildern funktioniert es.

Sie werden als Schauspielerin und Sängerin auf der Bühne stehen - das Theaterpublikum hat Sie in Cottbus schon so erlebt.
Ja, ich singe in fast allen Stücken. Ich war schon als Schülerin Sängerin in der Schuljazzband. Meine Gesanglehrerin wollte später eine Soubrette aus mir machen. Das wollte ich nicht. Das Singen gehört zu meinem Leben. Meine Mutter erzählt, dass ich als Kind erst gesungen und dann gesprochen haben, erst tanzen und dann laufen konnte. Mein Vater war Sänger, da gehörte die Musik immer dazu. Und heute mache ich ab und zu mit meinen Töchtern Musik.

Mit Heidrun Bartholomäus sprach Ingrid Hoberg

Heidrun Bartholomäus und das Hannes Zerbe Jazz Orchester Berlin, Konzert und Videoperformance nach Texten von Heiner Müller und Motiven von Hanns Eisler, Samstag, 14. September, 19.30 Uhr, Großes Haus des Staatstheaters Cottbus

Karten zum Preis von 12 bis 22 Euro (ermäßigt 11 bis 15 Euro) sind erhältlich im Besucher-Service, Ticket-Telefon 0355 78242424.