Doch die Realität ist viel prosaischer: Die Achtjährige lebt in den pastellfarbenen 80er-Jahren mit einem versoffenen Vater, einer mürrischen Mutter und drei uninspirierten Schwestern. Als Zeitungsausträgerin verdient sie sich etwas Geld. Da begegnet sie eines Tages dem Nachbarn Roger, einem 80-jährigen Mann, der vom Tod träumt und mit derben Flüchen um sich wirft. Zwischen dem ungleichen Paar entsteht eine zarte Freundschaft. Der Frankokanadierin Marie-Renée Lavoie ist mit "Ich & Monsieur Roger" ein ganz wunderbares Debüt gelungen. Man muss ihre fantasievolle und kluge Heldin einfach mögen, die sich mit so viel Charme und Willenskraft durch ihr junges Leben kämpft. Ein ebenso amüsantes wie geistreiches Buch über die Widrigkeiten und Freuden einer Kindheit.

Marie-Renée Lavoie: Ich & Monsieur Roger. Hanser Verlag, München, 256 Seiten, 17,90 Euro.